Zunächst verfolgten die deutschen Börsianer den Fall "Schweizerische Kreditanstalt" (SKA) noch mit einer gewissen Schadenfreude. Nach der Hessischen Landesbank und Herstatt waren nun auch die sonst so seriösen Schweizer mit einem großen Bankenskandal an der Reihe. Aber die Stimmung wurde rasch ernst, als das Ausmaß der bei der SKA zur Debatte stehenden Verluste bekannt wurde. Aus Furcht vor grenzüberschreitenden Folgen kam es in den deutschen Börsensälen am Dienstag zu massiven Kursgewinnmitnahmen des Berufshandels besonders bei den Aktien der deutschen Großbanken, die sich gerade zur Teilnahme an der allgemeinen Aufwärtsentwicklung angeschickt hatten.

Obgleich sich nicht abschätzen läßt, wohin der Skandal bei der SKA noch führen wird, sind die Börsianer zuversichtlich, daß sich die Auswirkungen auf die deutschen Kurse in engen Grenzen halten werden. Jedenfalls haben die Großanleger zu rückläufigen Kursen bereits wieder größere Beträge aufgenommen. Für sie wird die Tendenz an den Aktienmärkten durch die sinkenden Zinsen bestimmt.

Der Rückgang des Nominalzinsfußes bei der jüngsten Bundesbahn-Anleihe, auf 6 1/2 Prozent war erwartet worden, auch die zwölfjährige Laufzeit. Im Publikum wird sich diese Emission schwerlich absetzen lassen. Es zieht die Bundesschatzbriefe mit ihrer höheren Gesamtrendite vor. Gleichwohl war auch diese Anleihe an der Börse gesucht. Die Bankenkundschaft favorisiert, eindeutig den Aktienmarkt, wo es zu anhaltend hohen Umsätzen kam. Dabei erreichten etliche Papiere neue Jahreshöchstkurse. In Börsenkreisen wird davon ausgegangen, daß sie nach einer Konsolidierungsphase nochmals überschritten werden.

Zu den bevorzugten Papieren zählten vor allem die Aktien der Großchemie. Die Heraufsetzung der BASF-Dividende auf 8,50 Mark wurde als Überraschung empfunden. Die meisten Schätzungen lagen bei 8 Mark für 1976. Jetzt gibt es Rätselraten über die Ausschüttung für 1977, die bereits nach der neuen Körperschaftsteuergesetzgebung erfolgt. Wird die Bardividende auf sieben Mark gekürzt, stellt sich die Bruttoausschüttung (unter Einschluß der Steuergutschrift) auf 10,93 Mark. Dies auf den Kurs von 169 Mark bezogen bedeutet eine Rendite von 6,47 Prozent. Das ist in etwa das gleiche, was sich heute auf dem Rentenmarkt erzielen läßt.

Daß an der Börse nicht, nur verdient, sondern auch verloren wird, zeigt die Aktie von F. Reichelt (siehe "Firmen + Fakten", Seite 31). Ihr Höchstkurs lag im vergangenen Jahr bei 154 Mark, am Dienstag dieser Woche wäre ein Marktausgleich wegen der Kapitalzusammenlegung 2 : 1 erst unter 30 Mark möglich gewesen. Einen schweren Schlag mußten auch die Aktionäre von Phoenix-Gummi hinnehmen. Ihr Papier war unter dem Eindruck der für 1975 wieder aufgenommenen Dividendenzahlung im vergangenen Jahr bis 124 Mark geklettert. In dieser Woche sank er auf 71, weil für 1976 keine Dividendenzahlung mehr möglich ist. Allerdings waren die Aktionäre schon seit Monaten auf die Ertragslosigkeit vorbereitet gewesen. K. W.