Der Mord an den Kraemers ist aufgeklärt: Angeklagt wird der Ungar Sos

Von Joachim Holtz

In der Nacht vom 19. zum 20. Januar wurde in Braunschweig die Familie des Volksbank-Direktors Wolfgang Kraemer ermordet. Der 46jährige war zur Beschaffung von 165 000 Mark erpreßt worden. Dann brachte der Verbrecher, es können auch mehrere Täter gewesen sein, die Eltern und drei Kinder zwischen sechs und sechzehn Jahren um. Ein Bindfaden scheint als Strangulationswaffe gedient zu haben. Nur die zwanzigjährige Tochter blieb vor dem grausamen Ende verschont, sie studiert in Berlin. Drei Tage nach dem Mordüberfall nahm die Kriminalpolizei in Hamburg den 43jährigen Maschinenschlosser Ferenc Sos fest.

Sos ist Ungar. 1956 war er in die Bundesrepublik gekommen. Seitdem hat er lange Zeit in der Haftanstalt verbracht, zwölf Jahre. Am 23. Dezember 1976 konnte er seine Zelle verlassen. Bei einem Lehrerehepaar in Hamburg-Alsterdorf fand er als Untermieter ein Zimmer.

Sos ist Profi, so hört man von Polizei und Vollzugsbeamten. In seinem Strafregister finden sich kaum Bagatellen.

Sos ist gesprächig. Daher erhielt die Sonderkommission der Braunschweiger Kripo über ihre Hamburger Kollegen bald nach dem schrecklichen Ereignis einen Hinweis aus der Unterwelt.

Sos befindet sich seitdem in einer Einzelzelle der Justizvollzugsanstalt Rennelberg in Braunschweig. Er bestreitet die Tat, gibt an, zur fraglichen Zeit auf St. Pauli gezecht zu haben. Zeugen benennt er nicht.