Hörenswert

Hanns Dieter Hüsch: "Abendlieder". Untertitel: "Auch am Tage zu singen". Die Adressaten: "Ich sing’ für die Verrückten, die seitlich Umgeknickten, die eines Tags nach vorne fallen und, unbemerkt von allen, sich aus der Schöpfung schleichen, weil Trost und Kraft nicht reichen." Für sie (und alle anderen Zeitgenossen, die bei Musik nicht gleich zu denken aufhören) singt Hüsch seine menschenfreundlichen Boshaftigkeiten und seine boshaften Freundlichkeiten. Das sind keine feilen Liedermacher-Lamentos, sondern teils hinterlistige, teils besinnliche Gedanken, wie sie nur in der Kabarettwerkstatt wachsen können. Das musikalische Transportmittel ist diesmal nicht das (von Hüsch gespielte) Klavier, sondern eine Unterhaltungsmusik-Band. Es gibt Programme von Hüsch, die um vieles aggressiver sind, spöttischer und böser. Die hier hat ein bißchen was Verklärendes an sich. (Intercord INT 160.060)

Manfred Sack

Dolly Parton: "Greatest Hits". Country Music ist zweifellos nicht jedermanns Musikgattung, denn das in jeder Beziehung erzkonservative Genre propagiert meist den "American Way of Life" und hinterwäldlerische Lebensweisheiten unverblümter als das kinematographische Gegenstück, der Western. Zu den Ausnahmen zählt Dolly Parton, die längst allgemein als eine der profiliertesten Geschichtenerzählerinnnen der populären Musik akzeptiert wäre, besäße sie nicht das Image des wasserstoffblonden Nashville-Idols mit der tumben Kindweib-Stimme. Wer seine Vorurteile ablegen kann, wird sie mit diesem Album als eine brillante Komponistin von Liedern wie "My Tennessee Mountain Home", "Coat of Many Colours" und anderen entdecken und verstehen, warum Sängerinnen wie Maria Muldaur und Emmylou Harris ihr Repertoire notengetreu nachsingen. (RCA 26.21713) Franz Schöler

Ärgerlich

"Das Kinderkonzert": Friedrich Smetana "Die Moldau". Wer die heiter-selbstverständlich und unerhört lebendig inszenierten Kinderkonzerte mit Wilhelm Brückner-Rüggeberg und den Hamburger Symphonikern kennt, wird von dieser Billigproduktion maßlos enttäuscht: Eine hervorragende Idee wurde kläglich verhunzt. Statt einer Live-Übertragung mit Werkstattcharakter, die diesen Konzerten ihren eigenartigen Charme gibt, produzierte die RCA eine sterile, tödlich langweilige Fassung der "Moldau". Smetana wird darin oberlehrerhaft zerstückelt durch unsensibel hineingesprochene Belehrungspassagen. Die Sprechmanier erinnert hier an Bemühungen um phonetische Sauberkeit in einem Sprachlabor, wo Schülern die erste Lektion erteilt werden soll. Dies und der einfältige Text vernichten geradezu sorgfältig jede Atmosphäre. Lutz Lansemann ist mit dieser hölzernen Textinterpretation offensichtlich jämmerlich beraten worden. (Slowakisches Philharmonisches Orchester; RCA VL 30451)

Ute Blaich