Der Fall Heinz Brandt: Wie die IG Metall gegen Kritiker aus den eigenen Reihen vorgeht

Von Petra-Monika Jander

Freiheit für Heinz Brandt" förderte Anfang der sechziger Jahre die IG Metall gemeinsam mit einem Großteil der westlichen Weltöffentlichkeit. Die Sorge galt dem vom Staatssicherheitsdienst der DDR verschleppten und im Zuchthaus in Bautzen eingekerkerten Gewerkschaftsfunktionär. Heute verlangen Freunde und Mitstreiter des pensionierten Redakteurs der Gewerkschaftsleitung Metall "Meinungsfreiheit für Heinz Brandt" von der IG Metall. Die Umkehrung der Fronten kennzeichnet innergewerkschaftliche Umgangsformen ebenso wie ein neues Kapitel linker Kritik an den Gewerkschaften. Was ist geschehen?

Itzehoe: Großkundgebung Umweltschützer gegen das Kernkraftwerk in Brokdorf am 19. Februar 1977. Plötzlich kommt. Stimmung in die Masse. Es spricht Heinz. Brandt. Am Ende seiner Rede gibt es eine neue Front im Kampf um den Umweltschutz, hat die Protestszene ein neues Feindbild: die Gewerkschaften und ihre personifizierte Atomkraftlobby, den "Atomfilz"!

Der Steckbrief war klar und deutlich: "Unter Atomfilz verstehe ich den reich bezahlten Gewerkschaftsbürokraten, der im Konzernaufsichtsrat und Konzervorstand mit den Managern der Atomindustrie gemeinsame Sache macht, der mit der Atomlobby unter einer Decke steckt, der mit ihr widerlich verfilzt ist – zu unser aller Schaden."

Und weiter: "Wenn solch ein Atomfilz den Mund öffnet, so fragt ihn, was er im Jahre einnimmt und ob ihm sein 300 000-Mark-Jahreseinkommen flötengeht, wenn er euch – statt Flausen zu machen – die Wahrheit sagt." Noch schärfer: "Wir wollen uns von diesen Atomfilzen, diesen Arbeiterverführern nicht den Verstand oder gar das Lebenslicht ausblasen lassen."