Von Marietta niederer

Mit der 35. Mode-Woche-München ist nun auch die Wintermode 77/78 der deutschen Konfektionäre gelaufen. Die Schneestürme während der fünf Modetage paßten zwar zum Thema, aber kaum geräumte Lager des Einzelhandels brachten keine stürmischen Orders. Doch wer Mode mit Qualität anzubieten hatte, lag richtig und verkaufte sehr gut, wenn auch die Stückzahlen niedriger waren als bisher.

Was wird nun zum Herbst in unsere Geschäfte kommen? "Sportswear" in feiner englischer Art. Das sind kürzere Blazer oder Norfolkjacken aus Harris-Tweed, aus Tuchen mit Oxford-Karos, pepita- oder glenscheck-gemustert, die Ellbogen öfters schon vorsorglich mit Lederflicken besetzt. Die Röcke aus Flanell oder aus Lambswool sind immer schwingend oder in Falten gelegt, und wenn die Blazer uni sind, dann sind die Röcke englisch gemustert, also auch schottisch kariert. Dazu gehören Blusen aus Waschwolle, fein kariert, gestreift oder geblümt, knappe Herrenwetten, lange Strickschals mit Fransen, mehrfach um den Hals gewickelt, und englische Schirmmützen. Wer nicht gern Taille zeigt, greift zur geraden Hemdjacke aus Tweed, zum Lumber oder Blouson aus Cordsamt mit Popelinefutter – dazu gehören schmal fallende Röcke, Hosenröcke oder wieder schmal geschnittene Hosen.

Die neuen Pullis sind voluminös und lang; sie werden mit gestrickten Westen oder Boleros und über Blusen getragen – die Mäntel gleichen daher eher Capes, haben jedenfalls geräumige Ärmel und große Kapuzen. Flauschige Mohair-Ponchos, weite Mäntel aus Strickstoffen oder große Loden-Capes genügen jungen Leuten, die mit der Pariser "Schichtmode" liebäugeln. Sie wird jedoch nur in Boutiquen zu finden sein.

Wie langsam doch die Mode-Mühlen mahlen – bei uns hat sich jedenfalls die Großkonfektion erst jetzt so recht zum Folklore-Stil entschlossen und bietet bäuerliche Phantasiemode an. Für Kundinnen hochwertiger Konfektion, die sich langsam vom allzu Feingemachten abwenden, wurde Edelfolklore mit Seidenblusen, gesteppten Boleros und großen Tüchern vorgeschlagen. Manchen genügt auch nur eine Prise Phantasie, nämlich über gemusterten Hemdblusenkleidern ein gestepptes Westchen oder nur ein Dreiecktuch. Das wirkt zumindest verjüngend und dürfte schon deshalb Erfolg haben.

Doch wir haben auch eine Crew von modemutigen jungen Konfektionären, die mit Schnellschüssen verblüffen und in Windeseile leichte Flanelle oder Wollsiegel-Jerseys in hellen Pastelltönen einfärben ließen für Kleider, die noch nadelwarm auf die Ständer kamen. Solche unifarbenen Pastellkleider, oft als Zweiteiler aus weiten, praktischen Wickelröcken und Blousonoberteilen mit Strickbündchen, sind bei Marc Kehnen zum Renner geworden. Elfenbeinweiße Jerseykleider mit weiten Röcken und weichen Oberteilen sind typisch für Lutz Teutloff. Er liefert auch die flauschigen Wickelmäntel dazu und noch etwas ganz anderes: Blazer zu den neuen Jodhpur-Hosen. Bei Jürgen Weiss gibt es neben Norfolkjacken aus Hirtenloden hemdenleichte kleine Blazer aus Cashmerewolle, die zu Kleidern aus puderfarbenen Mohairjerseys gehören – mit der richtigen 75-cm-Rocklänge. – "Wohlfühlkleider" wurden sie genannt. "Joy – junge Mode" zeigte schöne, lockere Hemdkleider aus italienischen Seidendrucken, die mit Bindegürteln gebändigt werden und nicht nur von jungen Frauen getragen werden können.

Landluft aus England weht auch durch wohlbekannte bayerische Firmen. Mickhausen zeigte einen üppigen Mantel aus Loden, Rock und Weste aus Cashmere-Flanell und die Bluse aus englischer Waschwolle. Für den Abend: Samtblazer zu reinseidenen Blusen und langen Sonnenplisseeröcken. Bei Althof gibt es den Country-Look zu erschwinglichen Preisen. Bei Bogner hat zum Winter immer die Top-Skimode Vorrang. Neu ist hier der Hotstretch, das erste voll bi-elastische Material – dazu der mollige "Daunen-Look" für bitterkalte Höhenluft. Doch einige ländliche Kleider im Westernstil aus farbig gemusterter Winterbaumwolle und verzierten breiten Ledergürteln passen ebenso gut in die Citymode.