Von Rainer Frenkel

Trotz allem, so wollte ich schreiben,, trotz allen Ärgers, aller Unwirtschaftlichkeit und anderer Unerfreulichkeiten finanzieller Natur – ich werde ihn wieder kaufen. Obwohl es wirklich unvernünftig ist.

Oder gerade weil?

Nun, damit hat sich’s. Der Ro wird nicht mehr gebaut. Aus dem Bericht über ein Auto wird ein Nachruf. Der Ro hat ihn verdient, wenn auch wahrlich nicht nur Gutes über ihn zu sagen ist. Er wurde von unvernünftigen, über die Maßen schwachbrüstigen Eltern geboren und wird nun von vernünftigen, steinreichen Stiefeltern begraben. Vielleicht ist das überhaupt der erste vernünftige Entschluß, der über ihn getroffen wurde. Und darin liegt, daß dieser Entschluß nicht zu ihm paßt. Denn der Ro, das war immer blechgewordene Unvernunft, mehr die Idee eines Autos als ein Auto.

Aber was ist schon ein Auto. Ein Haufen von Blech und Plastik auf Rädern – jederzeit willig, seinen Benutzer von Ort zu Ort zu schaffen? Dann war der Ro wirklich kein Auto, nicht immer zumindest – das "jederzeit", das war so eine Sache.

Oder war der Ro mehr Renommiervehikel als Vehikel, mehr stolzer Gefährte als Gefährt? Auch das wäre so leicht nicht zu beweisen. Dazu fehlte es am Chrom (ein Edelmetall, das etwa den Mercedes erst zum Mercedes macht), aber auch an Kraft: Einen Opel Ascona meinetwegen oder auch einen VW Polo muß er an der Ampel ziehen lassen. Seine Sprintzeit "von Null auf Hundert", die wollen wir lieber vergessen, der Pietät halber.

Zurück zur Geburt des wahrhaft teuren Verblichenen. Da gab es in Neckarsulm, im schwäbischen Unterland, einen einst aus einer Nähmaschinenfabrik entstandenen Autohersteller namens NSU. Mit Motorrädern war man – für die eigenen Verhältnisse – groß geworden, später noch größer mit Autozwergen, die so putzige Namen trugen wie Prinz. Und als die Prinzen in immer neuen Generationen erschienen, kamen noch römische Zahlen dazu, ganz wie bei Königs.