Mittelmäßig

"Der aus der Hölle kam" von Michael Apted. Für die psychologisch nuancierte Beschreibung ungewöhnlicher Beziehungen ("Triple Echo", 1972, mit Glenda Jackson) und die einfühlsame Porträtierung jugendlicher Subkultur ("Stardust", 1974) scheint der britische Regisseur Michael Apted mehr Gespür zu besitzen als für das Action-Genre. In diesem verworrenen Kidnapping-Drama überzeugt nur Stacy Keach als alkoholsüchtiger Expolizist von Scotland Yard, der bei der Entführung seiner geschiedenen Frau (Carol White) eine letzte Bewährung sucht. Im ständigen Kampf mit dem Suff taumelt er durch die Straßen von London. Angesichts der faszinierenden Leistung von Keach wirken selbst Stars wie David Hemmings, Stephen Boyd und Edward Fox fast wie Statisten. Helmut W.Banz

"Das Geld liegt auf der Straße" von Ted Kotcheff. "Dick" und "Jane" heißen die vorbildlichen Kinder in fast jedem amerikanischen Vorschullesebuch. "Spaß mit Dick und Jane" ist der Originaltitel des Films. George Segal und Jane Fonda spielen "Dick" und "Jane": College-Absolventen, Mittelschicht, vertikale Mobilität – und bis über die Ohren verschuldet. Als Dick plötzlich seinen Job verliert, werden die beiden lieber zu einem Vorstadt-Bonnie-und-Clyde-Pärchen, als ihren luxuriösen Lebensstandard aufzugeben, der für sie gleichbedeutend mit wahrem amerikanischen Patriotismus ist. Die Botschaft ist eindeutig: Verbrechen lohnt sich. Und: Amerikas wahre Größe basiert auf ihm. Das Script zeigt Spuren von morbidem Zynismus, und ein Billy Wilder hätte vielleicht eine exzellente schwarze Komödie daraus machen können. Doch in den ungeschickten Händen von Ted Kotcheff ("Duddy Kravitz") wird der Film weder sonderlich elegant noch besonders lustig. Kotcheff ist grimmig entschlossen, seine Protagonisten um jeden Preis liebenswert zu zeichnen und erstickt sie dabei mit einem Sirup-Charme, der die Satire verzuckert, statt sie zu würzen. Einerseits versucht er zu zeigen, daß die amerikanische Gesellschaft gierig materialistisch und völlig skrupellos ist, andererseits möchte er, daß der Zuschauer das Pärchen liebt, das eben diese Werte verkörpert. Übrig bleibt eine die Konflikte verschleiernde Situationskomödie, die sich – halb so lang – gut als Fernsehspiel gemacht hätte.

Jan Dawson

"Der lange Kalifornier" von Paul Wendkos. Auf der Flucht vor der Polizei zwängt ein Bankräuber (Bo Svenson) seine Aktentasche mit der Beute in einen Briefkasten und wartet auf die Auslieferung. ("Special Delivery" ist der Originaltitel des Films). Mit ihm warten einige andere, die dabei zufällig Zeugen waren. Der Zuschauer wartet auch: daß sich die Spannung des brillanten Beginns fortsetzt oder daß vielleicht aus dem Bankräuberdrama eine Briefkasten-Komödie wird. Doch Wendkos gerät dies Wartespiel nur zu einer halbherzig-ironischen Beschreibung von Anwohnerproblemen an einer Kreuzung in Los Angeles. Daß er seine Story mit völlig unnötigen und manieristisch verschachtelten Vietnam-Assoziationen zu würzen sucht, macht sie auch nicht attraktiver. Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

"Rocky" von John G. Avildsen. "Chinesisches Roulette" von Rainer Werner Fassbinder. "Schwarzer Engel" und "Carrie" von Brian De Palma. "Die Geschichte der Adele H." von François Truffaut (s. Seite 50). "The Stranger" von Orson Welles.