Beinahe jeder achte Griechenlandurlauber des vergangenen Jahres kam aus Deutschland. Doch die Gunst der reisenden Bundesbürger war nur von kurzer Dauer. Jetzt lockt wieder Spanien.

Vor etwa zwölf Monaten noch sprach man allenthalben in der Tourismusbranche von einem geradezu sensationellen Griechenlandboom. Manche argwohnten sogar, die deutschen Urlauber würden sich von Spanien ab- und Hellas zuwenden. Schon am Ende der letztjährigen Saison wurde diese Prognose jedoch gründlich ad absurdum geführt: Zwar reisten 1977 rund 340 000 Deutsche weniger als im Vorjahr in das Land der Iberer, doch stieg andererseits die Zahl der, Griechenlandurlauber "nur" um rund 120 000.

Dennoch: Veranstalter und Hellenen waren mit den Einnahmen an harter D-Mark recht zufrieden und freuten sich bereits auf einen weiteren Anstieg in diesem Jahr. Der Renner von 1976 entpuppt sich in dieser Saison nach Ansicht vieler Fachleute jedoch als "Flop des Jahres".

Dieselben, Touristikunternehmen nämlich, die noch vor Jahresfrist ihre zweistelligen Zuwachsraten bejubeln ließen, müssen heute drastische Rückgänge zugeben. Fast alle melden Minus, und NUR-Sprecherin Anita Meier meint leicht resignierend: "Daß es so zurückbleibt, hätte wohl doch niemand erwartet!" Gut-Kollege Heinz Bischoff befürchtet sogar Einbrüche in zweistelliger Höhe, und auch bei der TUI werden Griechenlandreisen zum Ladenhüter. Lediglich die Wuppertaler TUI-Tochter Dr. Tigges Fahrten scheint den allgemeinen Trend zu widerlegen. Wenn auch die Inseln Rhodos und Korfu bislang nur wenige Interessenten fanden, so gibt man sich im allgemeinendoch recht zufrieden. "Das liegt daran, daß wir ein ganz anderes Publikum haben", erläutert Tigges-Sprecherin Helen Freund, "das war schon immer so!" Noch deutlicher drückt man sich bei der Konkurrenz aus: "Die haben eben Kunden, die sich mehr für Säulen und Tempel interessieren, anstatt jeden Tag nur am Strand herumzuliegen!"

Auf der Suche nach plausiblen Erklärungen für den Rückgang der Griechenlandbuchungen sind die Marketingstrategen der großen Reiseveranstalter schnell fündig geworden. Schuld sind danach vor allem die enormen Preissteigerungen für Hellas in dieser Saison, die hauptsächlich durch "unverschämte Forderungen" vieler Hoteliers entstanden sind und voll an die Urlauber weitergegeben werden mußten. "Das ist wieder mal typisch", heißt es in der Zentrale einer der großen Urlaubsfabriken, "kaum fängt der Fremdenverkehr wieder an zu laufen, dann werden die frech!"

Weitere Mangel, die von deutschen Touristikern als Gründe für das Hellasminus angegeben werden: Oftmals unzureichender Hotelservice sowie mangelnde touristische Infrastruktur, was – nach Beobachtung von Fachleuten – dazu führte, daß viele deutsche Griechenlandurlauber des letzten Jahres enttäuscht waren, wenn sie nicht an jedem Ministrand Buden mit Würstchen und Cola vorfanden. Bei Dr. Tigges weiß man denn auch seit langem: "Hellas ist eben ein Ferienziel für eine gewisse Schicht von Leuten, und das wird auch immer so bleiben!"

Während die nähere Zukunft den Griechen also weniger deutsche Devisen verspricht, hoffen die Spanier in dieser Saison auf den großen Ansturm aus Germanien. Aus dem Tourismusministerium in Madrid verlautete es schon vor einigen Wochen, daß man 1977 mit rund 4,5 Millionen Deutschen rechne. Das wären immerhin 600 000 mehr als im Vorjahr. Daß diese optimistische Prognose keineswegs aus der Luft gegriffen ist, bestätigt TUI-Sprecher Dieter Jacobs: "Was uns betrifft, so rechnen wir fest mit einem neuen Rekordjahr für Spanien!"