Diese Zeichnungen von Flora und Ihre Texte, die Sie auch "Anti-Texte" nennen (Gott allein weiß, warum.) – das ist doch alles barockes Zeug. Was soll es denn bezwecken? (Aus dem Brief eines Lesers)

Uff obigem Bildwerk hat der unverdrussne Künstler das Nebennander unseres Lebens übernander dahrgestellt. Wie schon der Trochéus sagt: ‚Mitten wir im Leben seindt.‘ Unten befindet sich der Reichthum. Und dieße reiche Leut hendt kein Schornstein und dennoch warm. Oben befindet sich der Arme, hat ein Schornstein und dennoch kalt.

Von ihm kann gesagt werden:

‚Nur Donner, Reiff und Schriee der Wolken blaues Zelt

Ost, Norden, Süd und West

in seinen Dienst bestellt.’

Hat nun aber Lutherus schon gesagt, dass die Sprachen die Scheiden seindt, darinn die Schwerter deß Geistes stecken, so kan desgleichen auch von Zeichnungen gesagt seyn, sofern ein ächter Künstler, ein ächter Flora darhinter stickt. Und Flora kömmt nit von Flora, der holden Göttinn der Natur, sondern vielmehr von Florett. Und wie man nun befindet, dass die alten Heyden ihre Venus vilfältig je nach dem gemahlet – bald behaaret oder bezopft, bald nackt, bald hülflos, bald bewappnet – sollte item gedacht werden, dass ein heutiger christl. Flora mit grösser rem Rechte darstellen sollte könen, was die gegenwärtigen Gegensätze seindt.