Wol möchte einer einem Publikum besser zu Gefallen sein, so er lüsterne Brünsten, Sehr nungen, Nacht-und-Hinder-Thür-Visiten, Küsse, Umb-armungen, Liebes-Ohnmachten, Bützwerk, Hahnreyen, Buhler-Träume und dergl. darstellet. Allein, indess Flora Hütten auf Kratzer erbauet, Wolkenkratzer, so lenket er die Blicke der Beschauer nach oben. Nota bene: Siehtu die Menscher uff der Terrasse Männlein zu Weiblein beisamen stehn, so kanstu denken, was sie in ihren Innereien bewegt: Däntze, Beylager oder Entführungen, Verzweiflungen, begonnene oder vollbrachte Mörder Zweykampff, Betrügereien, Verstellungen und Verkleidungen oder auch Wahrsagereyen. (Klub von Rom.)

Unsrem Künstler liegt an seym Hertzen, wol einiges deutlich zu zeigen, aber wiederum nit alles, eingedengk des bekannten Spruchs: Dum spectant oculi laesos/laeduntur ei ipsi, den Heidegger also übersetzet hat:

"Den Augen/welche was Schadhafftes offt beblicken,

Pflegt dieser Gegenwurff auch Schaden einzutrucken."

(Gotthard Heidegger, geb. 1666 Stein am Rhein, gest. 1711 in od. an Zürich.)

Gewiß werden die Betrachter, die sich von der Terrasse ab und dem Dache zuwenden, fragen, welchen Sinn der Künstler verfolgte, der da Birnbäume ohne Birnen noch Laub mahlete und was es denn fernerhin sey, was der arme Mann treibt? Ob er etwa einem Phallo ein Grab im Zemente bereitet oder einer Bompbe?

Nun, dem Rat Leibnizens getreulich wollen wir dem Künstler mit ankreiden, kein Puritaner zu seyn, der da alle und jede Kleinigkeit auspiesert. Denn solche allzu grosse Scheinreinigkeit – sprach Gottfried Wilhelm von Leibniz – ist einer durchbrochenen Arbeit zu vergleichen, daran der Meister so lange feilet und bessert, biss er sie endlich gar verschwächet, welches denen geschieht, die an der Perfectie-Kranckheit, wie es die Holländer nennen, darnieder liegen.