Der Krach zwischen SPD und Jusos hört nicht auf. Wegen eines aufmüpfigen Interviews droht dem Juso-Chef Benneter jetzt der Parteiausschluß.

Kaum war die erste Kraftprobe zwischen Gesamtpartei und Jungsozialisten zugunsten der Älteren ausgestanden, da brachte der neugewählte Bundesvorsitzende der Jusos, Klaus-Uwe Benneter, den Parteivorstand abermals in Harnisch. In einem Interview für die Linkspostille konkret ("Benneter und die Folgen") hatte er auf die Frage, ob er bei Konflikten mit der Partei vielleicht doch einmal den Parteiausschluß in Kauf nähme, erklärt: "Für uns Jusos ist die Mitgliedschaft in der Partei kein Dogma, an dem wir nun in jedem Fall festhalten. Wir müssen sinnvoll mitarbeiten können." Und eingedenk des jüngsten Krachs, als er vor einem Ultimatum des SPD-Bundesgeschäftsführers Egon Bahr in die Knie gegangen war, fügte Benneter hinzu: "Wenn die Politik der Ultimaten Schule machen sollte, müssen wir uns freilich fragen, wie lange das noch geht."

Aber eben dies tat Egon Bahr: Er stellte ein neues Ultimatum. Binnen kürzester Frist müsse der Juso-Chef entweder seine Äußerungen korrigieren, oder abtreten. Parteivorsitzender Willy Brandt rügte gleichfalls den Ausspruch Benneters. Sein Schluß: Einige Jusos betrachteten die Mitgliedschaft in der Partei nur rein taktisch und wollten aus der SPD eine andere Partei machen als die des Godesberger Programms.

Das freilich bestreitet der Juso-Vorstand; Er meint, die Godesberger Forderung, eine neue Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu schaffen, lasse sich überhaupt erst verwirklichen, wenn die SPD wieder eine konsequent sozialistische Partei geworden sei.

Ein anderer Streitpunkt ist nach wie vor die Abgrenzung zu den Kommunisten. Benneter klassenkämpferisch ja konkret: "CDU und CSU (sind) die Parteien des Klassengegners, während die Kommunisten unsere politischen Gegner, nicht aber die Klassenfeinde sind."

Die bloße Drohung mit dem Parteiausschluß machte Benneter nur noch aufsässiger: Im Westdeutschen Rundfunk wiederholte er die Kernpunkte seines Interviews – zur großen Freude der CDU, die auch an diesem Streit ihr Süppchen kochen möchte. D. Z.