Im Kongo wird das Repertoire der unkonventionellen Kriegführung immer bunter. Wochenlang verloren Zaires Regierungstruppen Boden an die aus Angola eingedrungenen Katangesen. Die Fronten festigten sich, als marokkanische Wüstentruppen an die Seite des bedrängten Mobutu flogen. Erst sie und das Aufgebot von Pygmäen-Elitetruppen mitsamt ihren Blasrohren konnten dem Regime eine Atempause verschaffen.

Nun hat der Präsident 400 000 Dosen Coca-Cola zum Großhandelspreis von 60 000 Dollar bestellt. Sie sollen in dem Großtransporter eingeflogen werden, den die Vereinigten Staaten als Zeichen ihrer dezenten Solidarisierung gespendet haben. Doch Washington rätselt über den Sinn der Limonaden-Ladung. Will Mobutu auf seinem Feldzug mal Pause machen mit Coca-Cola? Oder will er seine kommunistischen Gegner mit dem klebrigen Kapitalistengetränk zur Fahnenflucht verführen – die Coca-Korrumpierung zur Kriegslist stilisieren?

Nichts von dem. Seine Truppen drängen vorwärts und müssen sich gegen die Hinterlist der von Kuba gelenkten Rebellen wappnen. Sie könnten die Brunnen in der Kampfzone vergiften, sagt Mobutu. Eingeflogene Cola erscheint ihm vertrauenswürdiger. Warum aber nicht Pepsi-Cola? Die Antwort liefert die allerhöchste Politik: Pepsi produziert auch in der Sowjetunion, paktiert also mit Moskau. Die Entscheidung Mobutus zugunsten von Coca-Cola ist ein subtiles Symbol seiner lupenreinen West-Gesinnung – und ein zarter Wink an Jimmy Carter. Das Coca-Hauptquartier befindet sich in Atlanta im Staate Georgia, dem Heimatstaat des Präsidenten. jj