Das Sein des Menschen und die Zeit der Römer

Von Rudolf Walter Leonhardt

Wer in Europa zivil leben will, soll sich niederlassen, wo Wein wächst und wo die Römer waren. Wein wächst in Köln nicht gerade, jedenfalls kein trinkenswerter; es war freilich vor zweitausend Jahren nicht schwieriger als heute, ihn von Rheingau und Mosel die paar Schiffsstunden flußabwärts zu bringen.

Die Römer jedoch waren in Köln, ein halbes Jahrtausend lang. Dem Laien mögen im Kölner Stadtbild römische Spuren kaum noch auffallen. Köln hat nicht, wie Trier, Thermen und eine Porta Nigra – Köln hat dafür sein Römisch-Germanisches Museum.

"Zwei Stunden im Museum" hält man dort nicht für ein Sakrileg. Im Gegenteil: Durchschnittsbesucher bleiben eher kürzer. Aber: sie kommen immer wieder.

Ich bin ein Durchschnittsbesucher. Länger als eine Stunde habe ich selten Zeit. Aber jedesmal, wenn ich in Köln bin, sage ich Freund Poblicius guten Tag, der da in Gesellschaft seiner Frau und seines Sohnes sowie seiner mich wegen ihres Doppelkonsonanten besonders faszinierenden Tochter Paulla über seinem Dionysos-Schwimmbecken thront.

Meine Ausdrucksweise entbehrt der Ehrerbietung. Lucius Poblicius und sein derzeitiger Hausherr Hugo Borger verzichten darauf gern. Sie wollen lieber interessieren, werben, Erstaunen wecken, am Ende vielleicht versuchsweises Begreifen. Und das gelingt ihnen wahrhaftig. Mehr als drei Millionen Besucher haben sie in drei Jahren gehabt.