In Portugal wurde der dritte Jahrestag der "Revolution vom 25. April" gefeiert, doch die Hochstimmung ist verflogen.

Ab Herbst 1973 traf sich in unregelmäßigen Abständen eine kleine Gruppe von jungen portugiesischen Offizieren. Sie diskutierten die soziale und politische Lage ihres Landes, und kritisierten den seit über 10 Jahren dauernden Buschkrieg in den portugiesischen Afrika-Kolonien Angola, Moçambique und Guinea-Bissau. Diese Versammlungen waren der Beginn der "Bewegung der Streitkräfte", MFA. Am 25. April 1974 kam es schließlich zum Putsch gegen das Caetano-Regime. Binnen 24 Stunden wurde die fast 50jährige Diktatur gestürzt.

Mit Volksfesten, Parteiversammlungen, einem Feuerwerk in Lissabon und einer großen Militärparade wurde am vergangenen Wochenende und am Montag der dritte Jahrestag der "Revolution vom 25. April" gefeiert. Parteien und der Präsident der Republik, General Ramalho Eanes zogen Bilanz. Ganz zufrieden zeigte sich niemand. "Die Mißstimmung vieler Portugiesen", so der knapp 40jährige Staatschef, "ist das Resultat von drei Jahren des Zögerns und der Irrtümer." Es wurde zuviel experimentiert und zuviel versprochen.

Etwas optimistischer in der Bilanz war Mario Soares, der seit vergangenem August als Ministerpräsident eine Minderheitsregierung führt: "In den vergangenen drei Jahren wurden die wichtigsten Teile des Programms der MFA, der Bewegung der Streitkräfte" erfüllt. Die Portugiesen leben jetzt in einer freien Gesellschaft, sie haben ein aus freien Wahlen hervorgegangenes Parlament und sind den Zielen der Mitbestimmung und Agrarreform nähergekommen.

Das größte Problem Portugals liegt im Bereich der Wirtschaft. Um die miserable wirtschaftliche Situation wieder auszubalancieren, sucht die Regierung Hilfe und Unterstützung aus Europa und den Vereinigten Staaten. Erst in der vergangenen Woche sprach Soares in Washington mit Präsident Carter über einen internationalen Kredit von 1,5 Milliarden Dollar. Der US-Kongreß hat bereits einer Anleihe in Höhe von 550 Millionen Dollar für Portugal zugestimmt.

Der Rest soll von einem internationalen Konsortium, zu dem neben Japan die EG-Staaten zählen, erbracht werden. Frankreich und Holland zeigen sich inzwischen dazu bereit. Ein "gewisser Widerstand" kommt von der Bundesrepublik; auch die Japaner sind noch zurückhaltend. Auf dem Londoner Wirtschaftsgipfel im Mai soll der Kredit an Portugal noch einmal zur Sprache kommen. Bonn gibt allerdings schon jetzt jährlich 70 Millionen DM projektgebundene Unterstützung.

Schnelle Hilfe tut not. Die Devisenkassen sind leer, die Preise sind in den letzten Wochen bis zu 50 Prozent gestiegen, und die Arbeitslosenzahl liegt bei etwa 600 000. Das Fazit: Die Mehrheit der Bevölkerung ist unzufrieden und zeigte bei den Feiern zum dritten Jahrestag der Revolution kaum Enthusiasmus. Die konservativen Oppositionsparteien bekommen Zulauf. Am 25. April waren viele Personen zu sehen, die sich schwarz gekleidet hatten oder eine dunkle Krawatte trugen. Für sie war dies ein Tag der Trauer.