Mit der Konjunktur ist es zur Zeit ebenso wie mit dem Wetter: Immer wenn man glaubt, nun müsse doch endlich Frühling werden, klatscht ein ordentlicher Regenguß herunter oder wird sogar wieder leichter Frost gemeldet. Zwar kommen aus der Wirtschaft in regelmäßigen Abständen erfreuliche Nachrichten, doch die schlechten folgen ihnen auf dem Fuße.

Auch die professionellen Beobachter der Konjunktur vermögen weder voller Optimismus in die Zukunft zu blicken, noch sehen sie Grund, alle Hoffnung fahren zu lassen. Die Gemeinschaftsdiagnose der unabhängigen Wirtschaftsforschungsinstitute bewegt sich dementsprechend in einer Grauzone zwischen Hoffen und Bangen. Der Ifo-Test kam zu einem ähnlichen Ergebnis und konnte keine ausreichenden Impulse zur Belebung der müden Konjunktur ausfindig machen. Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet mit einer länger anhaltenden Wachstumpause – und das bedeutet auch eine entsprechende Pause beim Abbau der Arbeitslosigkeit –, wenn die Aufträge und vor allem die Investitionsgüternachfrage in den nächsten Monaten nicht deutlich zunehmen.

Das ist kaum zu erwarten. Daß die Konjunktur "eher zäh als flott" läuft, glaubt nämlich auch der Bundesverband deutscher Banken beobachtet zu haben. Die wichtigste Ursache dafür ist nach seiner Ansicht, daß die Investitionshemmnisse immer noch sehr stark sind.

Was, sind das für Hemmnisse? Von einer allgemeinen Sättigung der Nachfrage kann weder in den Industrieländern noch gar in der Dritten Welt die Rede sein. Geldmangel kann es auch nicht sein; denn Kredite sind heute so günstig zu bekommen wie schon lange nicht mehr; die Gewinne haben sich deutlich verbessert. Doch Kapital für eine Investition zu beschaffen, ist nur die eine Seite der Medaille. Mindestens ebenso wichtig ist die Gewißheit, daß die neuen Anlagen, wenn sie in einigen Jahren fertig sind, sich auch rentieren. Dazu müssen die Kosten der Produktion in einem akzeptablen Verhältnis zu den Preisen stehen, die sich am Markt erzielen lassen. Andernfalls kann ein Unternehmer das Geld auch gleich zum Fenster hinauswerfen.

Dafür, daß die meisten derjenigen, die in der Wirtschaft über Investitionen entscheiden, der Zukunft ohne allzu große Erwartungen entgegenblicken, lassen sich kaum objektive Gründe finden, dafür um so mehr politische und psychologische. Daraus läßt sich nur eine Schlußfolgerung ziehen: Mit ein bißchen Steuersenkung, ein bißchen Nachfrageankurbelung oder ein paar öffentlichen Aufträgen ist gegen diese Krise nichts zu machen. Solange es den Regierungen der westeuropäischen Industrieländer nicht gelingt, für ein besseres politisches und psychologisches Klima zu sorgen, werden wir aus der Rezession der Erwartungen nicht herauskommen. Michael Jungblut