Von Hans Schueler

Die Zeitungen haben sich doch wohl geirrt, als sie das Verfahren von Stuttgart-Stammheim bei seinem Beginn vor zwei Jahren den "Prozeß des Jahrhunderts" nannten. Kriminalprozesse machen selten Geschichte; eher schon die Ereignisse, an die sie knüpfen. In dieses Jahrhundert fällt immerhin der Freispruch des Hauptmanns Dreyfus in Frankreich, fallen die Fememordprozesse der Weimarer Republik, das Ehrenhaft-Urteil gegen den Hochverräter Hitler, der Reichstagsbrand-Prozeß und schließlich der späte Versuch justitieller Bewältigung des millionenfachen Mordes mit dem Auschwitz-Prozeß als Höhepunkt.

An alldem gemessen, werden die der "Roten Armee Fraktion" zugeschriebenen Bankeinbrüche und die beiden mörderischen Sprengstoffanschläge in Frankfurt und Heidelberg bald ebenso in Vergessenheit geraten wie das anschließende Mammutverfahren, das in diesen Tagen und in aller Stille seinem längst gewissen Ende entgegengeht.

Den Terroristen der siebziger Jahre bleibt nicht die leiseste Hoffnung, je die Macht im Staate zu erringen. Ihre blutige Spur verläuft im Nichts. Und doch haben sie, allen voran die Kernmitglieder der Baader-Meinhof-Bande, etwas Wesentliches bewirkt: Sie haben mit ihren Taten und mit ihrem Prozeß Rechtsgeschichte gemacht – in einem Ausmaß, wie es, niemals zuvor so wenigen Menschen in so kurzer Zeit mit solch vergleichsweise geringem Aufwand gelungen ist.

Vorab verurteilt