Was wäre denn an diesem Buch schon dran, wenn er da nicht so’n bißchen Englisch hineingeschmuggelt hätte? Gar nichts wäre dran, aber jetzt kitzelt er einen mit seinem halbenglischen Schmus so lange, bis man’s amüsant findet. Verschafft sich ganz einfach einen Jagdschein, der Bursche So schimpft eine vorgestellte Leserin auf das Buch von –

Werner Lansburgh: "Dear Doosie – Eine Liebesgeschichte in Briefen, auch eine Möglichkeit, sein Englisch spielend aufzufrischen"; Nymphenburger Verlagshandlung, München, 1977; 260 S., 26,– DM.

Zwischen Du und Sie schwankend, erzählt er seiner Doosie allerlei und wirbt dabei um sie. Er bringt ihr Idiomatisches und sich selber nahe. Sie hat rostiges Schulenglisch im Kopf, das erleichtert und erschwert die Sache. Er gibt zu: "Es ist verdammt schwierig zu lernen, was man schon weiß", er spornt an: "Englisch hält Schritt mit dir" (keeps pace with you), er beruhigt: es sei unfair, andere Nichtengländer mit perfektem Englisch zu verunsichern (intimidate).

Er tappt natürlich im dunkeln bei seiner Doosie. Aber Doosie kann sich allmählich ein Bild von ihm machen. Er kommt aus Schweden, wo ihm gar nichts paßt, nicht einmal der Sonnenschein. Aber "the english way of life" erfüllt ihn mit vorzüglicher Hochachtung, England sei "the most civilized country on earth". Manchmal packt ihn deutsch-nostalgische Schwärmerei: "O heiliger deutscher Brötchenmorgen ferner Kindheit..."

Nanu? Sieh da, ein Berliner. In Worpswede will er das geschrieben haben, "in a typical German Gasthaus Je mehr Farbe er bekennt, um so galgenhumoriger wird die witzige Spiegelfechterei mit Doosie. "Ich rede in zwei Sprachen, weil ich eine verloren habe"; das gesteht er ziemlich bald. Aber bis zuletzt hebt er sich die ganze Wahrheit auf: "Vergebliche Arbeitssuche, mißglückte Rückkehrversuche" – ein Emigrant. Schließlich muß er nach Schweden zurück, es war alles für dieKatz, "a fool’s errand". Was bleibt, ist nur ein "blind date", eine Verabredung ins Blaue mit Doosie: jeden Freitagabend um zehn will er an sie, soll sie an ihn denken.

Das Sprach-Geplänkel mit Doosie ist die heitere Variante eines bitteren Dialogs mit "Lesa" (verbalhornt à la Vata, Mutta), den der Erzähler vor zehn Jahren führte, schwankend zwischen Heimkehr und Tablettentod, ein verhinderter deutscher Autor. Dank dem Damokles-Verlag war das damals schon nicht mehr ganz richtig, dort war 1968 nach 28 Fehlversuchen "J" (wie "Jude", notabene) erschienen, bitter-komische, virtuos hochstilisierte Exil-Erlebnisse. Drei Jahre später folgte "Schloß Buchenwald", worin Lansburgh Lesa eine Biographie der Jahre 1933–71 auf den erdachten Leib schrieb: nach unschuldiger Nazi-Jugend Karriere in Sachen Emigranten- und Exilforschung. Schließlich will Lesa den Autor zum exilogischen Material verarbeiten, der aber notzüchtigt Lesa. Inzwischen ist er innerlich aus dem Gröbsten ’raus, gibt sich entspannt, kommt als Sprachlehrer verkleidet und läßt Doosie laufen.

Schon damals hat er Wiederhören gefeiert mit idiomatischen Wendungen, und Neologismen bitter vermerkt: "Wortkapitalisten, verfluchte!" Damals reimte er: "Denn Deutschland ist das schönste Land / für jeden, der kein andres fand." Lange Verlegersuche gab’s auch diesmal, fünf Jahre lang sah ich dieses Buch kommen. (Die beiden andern sind noch nicht ausverkauft – bessre dich, Lesa!) Freilich ist’s auch diesmal wieder eine Mixtur, die in keine Kategorie paßt. Von Ferne lassen George Mikes ("How to be an Alien") und Stephen Potter ("Lifemanship") grüßen – gewiß hochachtungsvoll.