Sie sind der Schrecken der Ölkonzerne: "Oil-Spills", wie das unkontrollierte Ausströmen von Erdgas und Rohöl aus ihren unterirdischen Lagestätten genannt wird, kostete in der Nordsee bereits drei Bohrleuten das Leben. In unmittelbarer Nähe der jüngsten Katastrophe brach im November 1975 eine Gasleitung auf der Plattform. Alpha. Jetzt riß auf der Förderplattform "Bravo" im norwegischen. Ekofiskfeld ein Ventil. Mit einer Wucht von 150 Tonnen pro Stunde strömte tagelang Rohöl in die Nordsee.

Die Konzerne wird das Ereignis Millionen kosten. Abgesehen von den ökologischen Folgen und den Aufwendungen, die notwendig werden, sie zu beseitigen, werden neue kostspielige Sicherheitsmaßnahmen auf sie zukommen. Denn keines der beteiligten Unternehmen wird mehr glaubhaft behaupten können, alles getan zu haben, um Wiederholungen auszuschließen.

Heute schon werden ernsthafte Zweifel laut, ob sich das Abenteuer in der Nordsee überhaupt auszahlen werde. Zwar hoffen, mehr als 300 Ölfirmen, Dienstleistungsbetriebe und Handwerkstätten, vom Geschäft mit dem Nordseeöl zu profitieren. Doch verschlang die Ölsuche seit dem Start Mitte 1969 bislang rund neun bis zehn Milliarden Dollar. Bis 1980 sollen nach einer Angabe von Esso weitere 15 Milliarden Dollar in Stahlinseln, Pipelines und Bohrarbeiten investiert werden. Zusammengerechnet ist das bereits eine Milliarde Dollar mehr, als die Weltraumexpedition Apollo zum Mond verschlang.

Der Preis, so meinen Kritiker, sei viel zu hoch. So sprudelten im vergangenen Jahr magere 25,4 Millionen Tonnen Öl aus dem Nordseegrund. Das ist nicht einmal ein Viertel des Rohölaufkommens der Bundesrepublik. Zwar schätzen die Ölfirmen die Reserven auf drei bis vier Milliarden Tonnen. Doch zu welchem Preis es gefördert werden kann, hängt nicht nur vom künftigen Weltmarktpreis und weiteren Bohrerfolgen ab, sondern in erheblichem Maße von neuen Sicherheitsauflagen.

Gefahren drohen nicht nur am Bohrloch. Unterwasserpipelines von 345 Kilometer Länge, vom Ekofiskfeld bis ins schottische Teaside, sind gefährlichen Strömungen ausgesetzt. Noch größere Gefahrenquellen bergen die zahlreichen Gasleitungen, die derzeit mehr als 40 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus zwölf Nordseequellen in die Zentren des Verbrauchs nach England, in die Bundesrepublik und nach Holland befördern.

Bislang sicherten sich die Ölgesellschaften mit einer Risikobremse vor den finanziellen Folgen eines "blow-out" ab. Die sieben Nordseeländer sowie Schweden und Irland haben sich darauf geeinigt, die Haftpflicht der Ölgesellschaften auf 35 Millionen Dollar, die nach fünf Jahren auf 45 Millionen angehoben wird, zu begrenzen.

Die ökologischen Schäden werden dadurch allerdings nicht aufgewogen. Der schwimmende Ölteppich von annähernd 300 Quadratkilometer Größe, verpestet Fischfanggebiete und bedroht Strande. Was durch die beschränkte Haftung der Konzerne nicht gedeckt ist, müssen die betroffenen Staaten zahlen. Norwegische Parteien haben dem Abenteuer in der Nordsee schon vor Jahren den Kampf angesagt, da die Gefahr einer Ölkatastrophe nicht ausgeschlossen werden könne. Sie wollen die Ölsuche in der Nordsee eindämmen.