Eine Liebesgeschichte, eine Leidensgeschichte, eine Untergangsgeschichte. Sehr kühl und doch sehr zärtlich beschreibt François Truffaut in seinem fünfzehnten Film die Passion der Adele H. (Isabelle Adjani), die ihrem treulosen Geliebten bis ins ferne Halifax, schließlich bis nach Barbados folgt. Mit ihrer bedingungslosen Leidenschaft sprengt Victor Hugos jüngere Tochter die Konventionen ihrer Zeit, ihre Leidenschaft aber treibt sie auch in den Irrsinn. "Die Geschichte der Adele H." ist ein Film über die vielen Gesichter der Schauspielerin Isabelle Adjani, ein Film über die Kunst des Briefeschreibens, ein Film, wie alle von Truffaut, über den Konflikt zwischen den endgültigen und den vorübergehenden Empfindungen: die sanfte Beschreibung heftiger Gefühle, wie man sie aus so unterschiedlichen Filmen wie "Jules und Jim", "Die süße Haut", "Das Geheimnis der falschen Braut" und "Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent" kennt. Vor seiner Fernsehausstrahlung im Oktober, die nur eine Ahnung seiner Schönheit vermitteln kann, kommt der Film jetzt in die Kinos: im untertitelten französischen Original, in Farbe, auf der großen Leinwand.

Hans C. Blumenberg