Von Ulrich Kaiser

Die Hauptsache beim Tennis heutzutage sind seine Tabellen und Listen. Als Wallis Myers zu Beginn der zwanziger Jahre im Londoner "Daily Telegraph" damit anfing, eine Weltrangliste zu veröffentlichen (eine Tradition, die heute von Lance Tingay fortgeführt wird), war dies ein Resultat wochenlanger Kreuz- und Quer-Rechnereien – er hatte die knappe Niederlage des einen mit dem klaren Sieg des anderen in ein Verhältnis zu setzen, eine schlimme Fummelarbeit muß das gewesen sein.

Jetzt ist das einfach. Die Association of Tennis Players (ATP), eine Art Spielergewerkschaft mit Büros in Dallas und Paris, setzt da einen Computer ein, der in Sekundenschnelle jedes neue eingespeiste Resultat einordnet, es in ein Verhältnis setzt zu der Anzahl gespielter Turniere und Matches und dann daraus Punkte macht und natürlich Reihenfolgen. Für das Jahr 1976 zum Beispiel errechnete diese Maschine für den Amerikaner Jim Connors, daß er an fünfzehn Turnieren teilgenommen habe, daß er 80,27 Prozent seiner Matches gewonnen habe und dafür 1204 Punkte erhält. Auf Nr. 54 dieser unbestechlichen Liste steht zum Beispiel der Deutsche Karl Meiler; er nahm an 21 Turnieren teil, gewann 7,90 Prozent seiner Matches und erhielt dafür 166 Punkte.

Diese Liste gibt trotzdem nicht vollständig Aufschluß über die Spielstärke und die Einstufung. Wer ein 200 000-Dollar-Turnier gewonnen hat, kassiert nämlich mehr als einer, der vielleicht zwei für nur 35 000 Dollar gewonnen hat. Deshalb spuckt die erwähnte Datenverarbeitungsmaschine noch eine weitere Aufstellung aus, die die Spieler nach ihren Gewinnsummen aufreiht. Da führte der Mexikaner Raul Ramirez mit genau 484 343 Dollars vor jenem Jim Connors mit 315 081 Dollar. Und der beste Deutsche, Karl Meier, steht mit 67 347 Dollar auf Rang 32 zu Buche. Auf die Idee, neben den Ergebnissen vom Sportplatz auch noch die Steuererklärung in den Computer einzugeben, ist man offensichtlich noch nicht gekommen.

Aber letzten Endes gibt auch die finanzielle Bilanz von ATP noch kein absolut endgültiges Bild: Da ist ja auch noch die dreimonatige Weltmeisterschaftsserie von WCT (World Championship Tennis Inc.), die wiederum ihre eigene Verdienstliste herausgibt. Hier steht Jimmy Connors mit weiteren 682 300 Dollar zu Buche. Man müßte also logischerweise seine beiden Summen zusammenzählen – dann fehlen ihm zur runden Dollar-Million gerade noch 2919 Dollar, ein Klacks. Und in dieser Liste wiederum steht Karl Meiler auf dem 37. Platz.

Die Aufgabe, die für die breite Öffentlichkeit nur schwer verständlichen Systeme und differierenden Wertungen etwas überschaubarer zu machen, wurde nun vom "Men’s International Professional Tennis Council" übernommen. Dieses Gremium, das sich aus gewählten Vertretern der Spieler und Delegierten des internationalen Tennis-Verbandes zusammensetzt, will die Zahl der Grand-Prix-Turniere vom nächsten Jahr an auf 28 begrenzt sehen; eingeschlossen in diese Zahl sollen die "Grand-Slam"-Meisterschaften von Australien, Frankreich, Großbritannien in Wimbledon und der USA in Forest Hills sowie die WCT-Serie sein.

Diese Turniere sollen 35 Wochen des Jahres in Anspruch nehmen; der Rest steht den Spielern bzw. den nationalen Verbänden (Davispokal) zur Verfügung. Den Pferdefuß dieses sich vernünftig anhörenden Vorschlags zuletzt: Kein Turnier soll Preisgelder unter 175 000 Dollar aufweisen.