Professor Dr. h. c. Julius Posener, diesjähriger Kunstpreisträger der Akademie der Künste Berlin, und die Schriftstellerin Ingeborg Drewitz haben die Bürgschaft für einen Hafturlaub von Horst Mahler übernommen. Nach der neuen Strafvollzugsordnung steht Mahler ein solcher Urlaub zu. Die Landesleitung der CSU München sah in diesem Schritt offenbar eine Solidarisierung mit den politischen Zielen des ehemaligen APO-Anwalts, der inzwischen übrigens vom "harten Kern" seiner ehemaligen Verbündeten als Verräter attackiert wird. Die beiden Bürgen haben nun in einer Stellungnahme erklärt, daß ihr Schritt "keine Identifikation mit den politischen Vorstellungen des Inhaftierten" bedeute, vielmehr als "Verteidigung der Menschenwürde auch des Andersdenkenden" zu verstehen sei. Auch Pastor Albertz wurde nicht zum Guerrillero. Die Frage allerdings bleibt offen: was geschieht mit den beiden Bürgen, wenn Horst Mahler im Molotow-Untergrund verschwindet?

Dissidenten-Markt

Ullsteins "Kontinent"-Strategie lohnt sich – der dem Springer-Konzern gehörende Berliner Verlag wird zum Kontinent sowjetischer Dissidenten. Nachdem schon neben anderen Nekrassow und Sinjawskij Generalverträge mit Ullstein schlossen, hat ihm nun auch Andrej Amalrik seine deutschen Buchrechte auf die Dauer der nächsten fünf Jahre übertragen. Der Export sowjetischer Autoren – vermutlich entgegen den Absichten der Exporteure – schafft deren Werken beachtliche Märkte.