Erleichterung bei den Mineralölkonzernen: Ihr unmittelbar nach Ostern gestarteter Versuch, die Benzinpreise durchschnittlich um zwei Pfennige je Liter zu erhöhen, scheint Erfolg zu haben. Dieses Mal zogen auch die freien Tankstellen mit, die den Markenfirmen früher gern einen Strich durch die Rechnung machten.

Vor Beginn der Reisezeit zeigt der Preistrend weiter nach oben. Dafür sorgen nicht zuletzt die Autofahrer selbst. Im ersten Quartal dieses Jahres tankten sie 8,5 Prozent mehr Sprit als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Zu Hause übten sie dagegen Sparsamkeit. Der Heizölverbrauch ging in der gleichen Zeit um zehn Prozent zurück.

Zufrieden zeigten sich auch die Vertreter des Steinkohlenbergbaus. Mit der Elektrizitätswirtschaft einigten sie sich in der vergangenen Woche erstmals vertraglich auf den langfristigen Einsatz deutscher Steinkohle zur Stromerzeugung. Von 1978 bis 1987 kaufen die Elektrizitätswerke jährlich 33 Millionen Tonnen Kohle aus deutschen Gruben. Damit ist der Absatz von rund einem Drittel der jeweiligen Jahresförderung gesichert.

Mit der gleichzeitigen Einigung über ein neues Preisgefüge für Steinkohle und der Zusicherung des Bergbaus, künftig flexibler zu liefern, haben beide Vertragspartner jetzt "alle Kriegsbeile begraben, die gelegentlich gegeneinander geschwungen worden sind" (dpa).

Die Bevorzugung der Kohle und das Zurückdrängen des Mineralöls in der Energieversorgung sieht der Verband der Chemischen Industrie mit gemischten Gefühlen. Er appellierte auf der Hannover-Messe an die Bundesregierung, den Bau von Konversionsanlagen in der Mineralölindustrie durch steuerliche Maßnahmen zu erleichtern. Andernfalls sei eine erhebliche Versorgungslücke bei Naphta, dem wichtigsten Rohstoff der Chemischen Industrie, vorauszusehen. Der jährliche Bedarf von 13,5 Millionen Tonnen werde jetzt mit 6,8 Millionen Tonnen vom Ausland gedeckt. Bis 1981 werde die Versorgungslücke auf neun Millionen Tonnen anwachsen. Ein Industriezweig mit 575 000 Beschäftigten dürfe sich nicht auf eine unsichere Versorgungsbasis einlassen.

Gleichzeitig korrigierte die Chemieindustrie ihre Wachstumserwartungen für dieses Jahr, die noch Ende Januar bei sieben Prozent lagen, auf etwa vier Prozent mehr Umsatz. Dafür sei in erster Linie das enttäuschende Inlandsgeschäft verantwortlich. ot