Frankfurt: "Künstlerinnen international 1877–1977"

Die demonstrativen Hinweise für den Drang der Frauenbewegung in die ästhetische Dimension sind mittlerweile unübersehbar. Die Devise lautet international: "Das männliche Kulturmonopol soll gebrochen werden, es gilt eine weibliche Gegenkultur zu entwickeln!" Und während bei den Männern ein resignativer Kulturpessimismus grassiert, herrscht bei den Frauen das Prinzip Hoffnung. Wenn Frauen, so die formulierte Hoffnung, ihre Kreativität forcierter einsetzen, wenn sie die Barrieren, die sie bisher an aktiver Teilhabe am Kulturbetrieb hindern, überwinden, dann wird eine völlig neue, weibliche, letztlich jedoch humane Kultur entstehen.

Diese Ausstellung, die im Zuge dieser Bewegung entstanden ist, wurde von einer siebenköpfigen Frauen-Arbeitsgruppe in der "Neuen Gesellschaft für bildende Kunst", Westberlins progressivem Kunstverein, in dreijähriger Vorbereitungszeit erarbeitet. Sie zeigt über 500 Werke von 182 Künstlerinnen. Zustande kam ein beachtliches Panorama prominenter und unbekannter Künstlerinnen, das jedoch, da die Auswahl höchst einseitig und willkürlich getroffen wurde (politische Kunst wurde fast ausjuriert), nun gerade nicht bietet, was man sich versprach: Eine fundierte Materialsammlung für die weitere Diskussion. Die Galerie der Klassikerinnen ist noch ziemlich komplett: ob Gwendolen John oder Suzanne Valadon, Hannah Hoch oder Paula Modersohn-Becker, Bridget Riley oder Lee Bontecou – sie alle belegen, daß fast jede Stilrichtung der Moderne auch eine einsame Heroine vorzuweisen hat, der sie sich zuweilen sogar verdankt. Das Manko der Ausstellung ist jedoch, daß weder thematische noch historische Zusammenhänge hergestellt und Informationen direkt unterschlagen werden. Es gibt keine Auskunft darüber, daß Hannah Hoch, die als Erfinderin der Photomontage gilt, erst eine Generation später als ihre Männlichen Dada-Kollegen "entdeckt" wurde, daß die künstlerische Qualität einer Paula Modersohn-Becker erst nach ihrem Tod "erkannt" wurde. Im Bereich der zeitgenössischen weiblichen Kunstproduktion schließlich votierte das einseitige Auswahlprinzip (geleitet von einer deutlichen Abneigung gegen realistische und politische Kunst) für eine falsch verstandene Weiblichkeit, die sich im Amorphen, Mythischen ihren künstlerischen Ausdruck verschafft. Nur wenige Ausnahmen kämpfen einsam dagegen an. Da überdies bei der Inszenierung der Frauen-Werke einzig das Hoch auf das künstlerische Individuum, aufs isolierte Einzelkunstwerk angestimmt wurde, wurde diese Ausstellung total traditionell und konventionell und läßt nicht die Morgenröte einer neuen weiblichen Kultur aufscheinen. (Kunstverein Frankfurt, bis zum 12. Juni, Katalog 25 Mark) Daghild Bartels

Stuttgart: "Natur–Mensch–Kultur – Zivilisation"

Die Ausstellung, aus Anlaß der eben eröffneten Bundesgartenschau zusammengestellt, setzt die Existenz einer "Krise in der Beziehung des Menschen zur Natur" voraus, erkennbar an der durch Fortschrittsglauben und Wachstumsfetischismus ausgelösten ökologischen Krise. Sie nimmt auch an, daß die Medien, allzulange kritiklos Sprachrohr des technologischen Fortschritts, die "Empfindlichkeit der Natur gegenüber" im Bewußtsein der Menschen haben verkümmern lassen. Davon ausgehend, wird nun zu zeigen versucht, daß die "Krise des heutigen Naturbegriffs", die sich in der Kunst der letzten fünfzehn Jahre spiegelt, "psychologische, ideologische und rationale Vorbedingungen" hat in der Malerei des 19. Jahrhunderts. Worum es der Ausstellung zu tun ist, wird im Katalog mit einer Vielzahl von Bild- und Textzitaten begründet; die Schau selber jedoch wirkt weniger überzeugend. Es sind, genaugenommen, drei Ausstellungen in einer: Die eine bietet ein Panorama der Landschaftsmalerei vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis zum Fauvismus, die andere eine Auswahl gegenwärtiger Kunstprodukte mit dem Thema der Landschaft, die dritte fächert das Natur-Bild in der Werbung breit auf. Aber: alles das, Kunst und Werbung, Vergangenheit und Gegenwart bleiben säuberlich voneinander getrennt, und das ist sehr schade. Denn Einsichten könnte nur die direkte Konfrontation liefern. Peter Brünings topographische Ansicht einer Verkehrslandschaft etwa neben Karl Friedrich Schinkels "Morgen", der Darstellung einer unberührten Landschaft – das wäre ein bündiger Kommentar zur Zerstörung von Natur durch technischen Fortschritt. Oder Caspar David Friedrichs "Kreuz im Walde" neben einer Getränkereklame – es wäre eine Anleitung zu sehen, wie Werbung sich des Naturgefühls der Romantik bemächtigt: Die sakrale Empfindung vor der Natur wird umgedeutet in eine vor der Ware. Natürlich ist die historische Abteilung der Landschaft die Hauptattraktion der Ausstellung. Sie ist geordnet nach einigen auf den Inhalt oder auf den Gefühlswert bezogene Kriterien; aber man hätte doch auch zeigen können, daß mit der fortschreitenden Verstädterung der Bevölkerung Natur immer mehr an Realität verloren hat und statt dessen immer mehr zum Bild geworden ist, zur Vision von einer Welt. (Württembergischer Kunstverein bis zum 5. Juni; Katalog 18 Mark) Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen:

Baden-Baden: "Alfred Kubin" (Staatliche Kunsthalle bis 30. Mai, Katalog 40 Mark)