Pleite in der Wüste

Wer hier baut“, so berichtete ein bulliger Ingenieur aus Essen, der im algerischen Sidi-Bel-Abbas Straßen betoniert, „der muß gerissener sein als die Fellachen, sonst ziehn die einem das Fell über die Ohren.“ Über solche Eigenschaften, die unter nordafrikanischer Sonne zum Erfolg führen sollen, verfügt die Bremer Treuhand offensichtlich nicht. Während sie im bundesdeutschen Baugeschäft in 26 Jahren zur zweitgrößten Bauträgergruppe expandierte und für Kapitalanleger mit ihren „HB-Immobilienfonds“ zu einem Markenartikel der Geldanlage aufwuchs, droht ihr jetzt. der Zusammenbruch durch das erste Auslandsgeschäft.

Die algerische Volksrepublik beauftragte die Bremer Gruppe vor zwei Jahren, in zahlreichen ihrer Wüstenstädte 5050 Häuser und Wohnungen für rund 400 Millionen Mark zu errichten. Bis Ende 1977 – so verpflichteten sich die konservativen Bremer – sollte der Auftrag zum Festpreis abgewickelt sein. Um die Flaute am deutschen Baumarkt auszugleichen, griffen die Bremer zu.

Eigens zur Abwicklung des Auftrages kaufte sich die Treuhand in ein wenig bekanntes Düsseldorfer Bauunternehmen namens „H & T Bau-Company“ ein, deren Manager aber den taktisch überlegenen algerischen Verhandlungspartnern offensichtlich nicht gewachsen waren. Statt erwarteter Erfolgsberichte jagten sich in der Bremer Zentrale die Hiobsbotschaften aus Afrika.

Da die algerischen Lieferanten ihre Termine nicht einhielten, verzögerten sich die Arbeiten um Wochen. Genehmigungen für Ersatzlieferungen wurden nicht erteilt; Baumaterialien und Werkzeuge verschwanden über Nacht von den Baustellen. Unterkünfte deutscher Facharbeiter wurden teilweise komplett ausgeräumt. „Was nicht niet- und nagelfest ist“, so berichtete einer der Facharbeiter, „wird hier verkauft.“

Änderungswünsche der Auftraggeber und Schwierigkeiten bei der Geländebeschaffung ließen die Termine und Garantien schließlich platzen. Zwar feuerte die Bremer Treuhand noch am 31. März ihren verantwortlichen Afrika-Manager, doch zu spät. Der drohende Verlust der Treuhand-Tochter „Deutsche Bau- und Boden GmbH“ wird mittlerweile auf 100 Millionen Mark geschätzt.

Um den Zusammenbruch zu verhindern, versuchte ein Bankenkonsortium seit dem vergangenen Wochenende ein Sanierungskonzept zu schmieden. Seine Forderungen gegen die Treuhand belaufen sich nach den Kreditmeldungen an das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen auf rund eine halbe Milliarde Mark.