Immerhin, auch nach dem Ende blieb Scharf das Grundstück in Hettenhain – dort wird heute Hundefutter produziert –, blieben ihm neben der Wohnung in Wiesbaden Appartements in Italien und Österreich.

Keinerlei Theorie hat nach all den Jahren Herbert Schulzen, einst 25-Prozent-Partner von Scharf bei der Asmara, heute Chemiker in Bad Schwalbach. Er will gewiß „keinen Kommentar“ geben, nicht einmal die Mißbrauchsvermutung aussprechen. Er räumt lediglich ein, Scharf habe damit „wohl“ recht. Für ihn ist „das alles jetzt Sache der politischen Stellen“. Der einzige Ärger, den er zu äußern sich erlaubt, ist der, daß die Bevölkerung Bad Schwalbachs von all den unwahren Veröffentlichungen so verschreckt sei, daß sie nun überall in der Umgebung Uranlager vermute.

Dies ist wohl die exotischste Blüte, die die Geschichte in der Bundesrepublik trieb. Kein Wunder, wenn alle angeblich beteiligten Deutschen entweder so schweigsam sind wie Herbert Schulzen oder – nach eigenem Bekunden – so unbeteiligt und unwissend wie Wilhelm Bargon oder Herbert Scharf.

Erste Kunde über die angebliche Rolle der Asmara gab in der vergangenen Woche der frühere Euratom-Sicherheitschef und heute „Ehren-Generaldirektor“ Enrico Jacchia in Rom – unter anderen unserem Korrespondenten Hansjakob Stehle. Danach erhielt Ende 1967 die belgische Soziété Generale des Minerals von der Asmara – oder von einer Stelle, die sich dafür ausgab – den Auftrag, 200 Tonnen Uranerz zairischer Provenienz im Wert von 3,7 Millionen Dollar an die marokkanische Chemie-Firma Chimagar zu liefern. Nachdem sich die Marokkaner verpflichtet hatten, das Erz nur selbst und ausschließlich für industrielle Zwecke zu nutzen, kamen im März 1968 die Lieferverträge zustande, floß das Geld nach Zürich.

Dann erst fanden die Belgier heraus, daß von Marokko fälschlich nur die EG-Kautelen verlangt worden waren; zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wurden nachgefordert, und die waren bei den Absichten, die die Marokkaner oder wer sonst in Wahrheit hatten, nicht beizubringen. (Übrigens: Die „zivile“ Asmara unterhielt mit Marokko langjährige Geschäftsbeziehungen.)

Jedenfalls dirigiert die Asmara (oder die angebliche Asmara) die Erzladung nach Italien um, zur Mailänder Firma Saica, die angeblich den Rohstoff zu Katalysatoren veredeln und wieder zurückschicken sollte. Damit blieb nun alles im weniger scharf kontrollierten EG-Bereich, jedenfalls auf dem Papier, Die erforderlichen Formalien wurden vollzogen.

Nachdem die Ladung solchermaßen aus dem bürokratischen Labyrinth befreit war, begann erst ihre Odyssee: Am 17. November wurde die in 560 Fässern mit der Aufschrift „Plumbat“ verpackte teure Fracht mit der Bestimmung Genua in Antwerpen an Bord der „Scheersberg A“ gebracht, ‚eines 1955 gebauten Frachters mit rund 1150 Bruttoregistertonnen – und wurde nie mehr gesehen.