Ein Fort am Rande der Wüste, Bollwerk gegen einen Feind, der vielleicht überhaupt nicht existiert; ein langes Warten, das ausgefüllt ist mit sinnlosen militärischen Ritualen; Soldaten, die nur noch gegen die Zeit kämpfen; der Untergang einer Kaste, die vergeblich auf eine letzte Bewährung hofft.

Einen strengen, auf angenehme Weise altmodischen Film hat der italienische Regisseur Valerio Zurlini nach Dino Buzzatis berühmter Parabel über die Hoffnungslosigkeit der menschlichen Existenz gedreht. Wie mit seiner wunderschönen Adaption von Vasco Pratolinis Roman „Cronaca familiare“ (Tagebuch eines Sünders, 1961) ist ihm auch hier eine stilsichere Literaturverfilmung gelungen, die dem von Kafka inspirierten Geist der Vorlage treu bleibt. Leise und konzentriert deckt Zurlini Schicht um Schicht die Absurdität dieser geschlossenen Gesellschaft auf. Und er schafft es, eine Riege internationaler Stars zu einem homogenen Ensemble zu formen, das ohne individuelle Eitelkeiten spielt: Vittorio Gassmann, Max von Sydow, Jean-Louis Trintignant, Fernando Rey, Jacques Perrin, Giuliano Gemma, Francisco Rabat, Helmut Griem. „Die Tatarenwüste“ ist kein makelloser Film, aber einer, der sich durch seine Ruhe und Geduld vom modischen Kino der lautstarken Sensationen angenehm abhebt.

Hans C. Blumenberg