Von Gunhild Freese

Die 64 Filialen der Kepa Kaufhaus GmbH sowie die 17 Filialen der Karstadt SB Warenhausgesellschaft mbH sollen weitgehend in das Filialnetz der Karstadt AG, der Kepa-Muttergesellschaft, integriert werden." Das teilte die Essener Karstadt-Zentrale Ende Januar der überraschten Öffentlichkeit mit. Im 51. Jahr ihres Bestehens beendet somit die Kepa sang- und klanglos ihr Dasein.

"Die Kaufhalle", sagt Karlheinz Mangelsen, Vorsitzender ihres Aufsichtsrates und zugleich Vorstandsmitglied der Kaufhallen-Muttergesellschaft Kaufhof AG, "ist das Paradepferd des Konzerns, und dabei bleibt es." Die Entwicklung freilich soll sich nur noch über die neu konzipierten Kaufhalle-Centren vollziehen. Im 52. Jahr ihres Bestehens wird die Kaufhalle energisch auf neuen Kurs gebracht.

"Die Gesellschaft", so ließ die Geschäftsleitung der F. W. Woolworth & Co.. GmbH verlauten, "hält konsequent an ihrem Konzept der Innenstadtlagen fest", wobei allerdings die Geschäfte größer werden sollen. 51 Jahre nach ihrem Start in Deutschland setzt das Tochterunternehmen der New Yorker F. W. Woolworth Co. unverdrossen auf Expansion.

Gut ein halbes Jahrhundert nach ihrem Beginn in Deutschland haben die Kleinpreis-Warenhäuser eine Herausforderung zu parieren, die ihnen derzeit Konjunkturentwicklung und Konkurrenzsituation bieten. Wie alle anderen Vertriebsformen des Einzelhandels leiden auch die Kleinpreishäuser unter der Konsumzurückhaltung. Obendrein werden die Billigtöchter härter als andere Handelsgeschäfte von der veränderten Situation der Gastarbeiter in der Bundesrepublik getroffen.

Christoph Schwierholz, Geschäftsführer der Bilka GmbH (Tochterunternehmen des Frankfurter Warenhauskonzerns Hertie), dem jüngsten und kleinsten der Kleinpreiswarenhäuser: "500 000 Gastarbeiter sind weg. Und die haben nicht nur den eigenen Bedarf, sondern auch den ihrer Familien in der Heimat gedeckt." Die verbliebenen Gastarbeiter zeigten ein ähnlich vorsichtiges Konsumverhalten wie ihre deutschen Kollegen.

Auf der anderen Seite hatten vor allem die Kleinpreis-Warenhäuser unter einer neuen Konkurrenz zu leiden, die sich seit nunmehr rund zehn Jahren in atemberaubendem Tempo auf der "grünen Wiese" rund um die Städte und Ballungszentren breitmachten: die Verbrauchermärkte und Discounter. Friedbert Wachholz, Leiter der Abteilung Marktforschung und Statistik beim Kaufhof-Konzern: "Die Discounter, die in erster Linie Lebensmittel und zu einem geringen Teil auch Hartwaren und Textilien anbieten, trafen besonders die Kleinpreis-Kaufhäuser." Immerhin machen die Tochtergesellschaften der Warenhauskonzerne über dreißig Prozent ihres Umsatzes mit Lebensmitteln, bei den traditionellen Warenhäusern hingegen sind es gerade zwanzig Prozen. Ausnahme: die Woolworth Company, die nicht einmal fünf Prozent vom Umsatz mit Lebensmitteln erlöst.

Woolworth kann denn auch getrost seiner traditionellen Konzeption treu bleiben: zum Teil beste Innenstadtlagen mit einem Warenhaussortiment der unteren bis mittleren Preisklasse, das sind zwischen 15 000 bis 30 000 Artikel des täglichen Bedarfs. In einem Vollwarenhaus werden hingegen bis zu 120 000 Artikel geführt. Über vierzig Prozent des Angebots sind Textilien, über fünfzig Prozent sogar Hartwaren. Mit ihren rund 190 Filialen in Deutschland sind die Amerikaner, die ihren Firmensitz 1970 von Berlin nach Frankfurt verlegt hatten, unter den Kleinpreisunternehmen das mit Abstand größte in Deutschland. Im Umsatz hingegen macht die Kaufhalle Woolworth zumindest den ersten Rang streitig. Die Kaufhof-Tochter erzielte 1976 einen Umsatz von über 1,34 Milliarden Mark – mit nur 94 Häusern. Woolworth, deren Geschäftsjahr erst am 31. Januar 1977 zu Ende ging, erreichte im Vorjahr 1975/76 rund 1,29 Milliarden. In der Rentabilität freilich ist Woolworth ganz vorne: denn während der gesamte Einzelhandel sich mit einer Umsatzrendite von gerade einem Prozent bescheiden muß, bringen es die Amerikaner auf stattliche sechs Prozent.

Auch die Hertie-Tochter Bilka fühlt sich weniger betroffen von den neuen Handelsformen auf der grünen Wiese. Grund: "Bilka", so erläutert Bilka-Mann Schwierholz den Unterschied, "hatte keine Kleinpreiskonzeption an der Wiege." Das Unternehmen, 1952 mitten im wirtschaftlichen Aufstieg der Bundesrepublik gegründet, wurde, so Schwierholz, "als Kaufhaus in den Stadtteilzentren oder in Mittelstädten in den ersten Lagen etablierte Konkurrenz zu überwinden hat: zu lichen Warenhäusern sieht Schwierholz so: "Das Sortiment ist kleiner als das des Vollwarenhauses. Bilka führt beispielsweise keinen Echt-, sondern Modeschmuck." Kleine Preise freilich seien kein spezielles Bilka-Merkmal: "Um kleine Preise bemüht sich heute alle Welt."

Der späte Start bewahrte die Bilka-Gründer vor der Last der Vergangenheit, die die schon etablierte Konkurrenz zu überwinden hat: Zu kleine, das heißt unrentable Verkaufsflächen. Bilka hat gleich mit großen Flächen begonnen. Beim Lebensmittelsortiment dagegen war die Hertie-Tochter von vornherein klein. Und dort sind die Handelsspannen nicht sonderlich groß.

Bei zwei Bilka-Häusern gibt es inzwischen sogar überhaupt keine Lebensmittel mehr: in Fürstenfeldbruck und in Neumünster-Einfeld. An beiden Orten arbeitet Bilka in Einkaufszentren mit dem Lebensmittel-Filialunternehmen Edeka zusammen; "kein Versuch", wie Schwierholz betont, es "hat sich so ergeben". An beiden Standorten nämlich verfügte die Edeka-Genossenschaft über Grundstücke und hatte den Hertie-Konzern als Warenhauspartner gewonnen. An einem dritten Standort, in Schweinfurt, soll "unter gemeinsamem Dach, aber mit getrennten Kassen" in diesem Jahr noch einmal gemeinsame Sache gemacht werden. Die 33 Bilka-Häuser bringen rund ein Elftel des Hertie-Konzernumsatzes von 6,4 Milliarden Mark ein.

Auch die Kaufhalle hat sich von der Tradition ihrer Gründerzeit getrennt und wird nicht mehr als "Kleinpreisunternehmen" geführt. "Bei den Kleinpreisgeschäften wie bei den großen Warenhäusern", erklärt Kaufhof-Marktforscher Friedbert Wachholz, "gibt es ein trading up", das heißt eine Anhebung des Sortiments zu höheren Qualitäten und Preisen. Und beim Verbraucher, so die Kaufhof-Beobachtung, "ist das Bewußtsein, daß das Kleinpreis-Unternehmen sind, kleiner geworden". Sie gelten inzwischen eher als kleine Warenhäuser. Dennoch wurden sie von der Discountwelle, zumal seit Ende der sechziger Jahre, hart getroffen. "Unsere Antwort", sagt Kaufhof-Sprecher Hans-Heinrich Campen, "ist das Kaufhalle-Centrum." Ende 1976 gab es immerhin schon 15 dieser Selbstbedienungswarenhäuser, die vorwiegend am Rand der Städte errichtet wurden und mit durchschnittlich 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche und einem Warenangebot bis 25 000 Artikeln doppelt so groß sind wie die traditionellen Kaufhallen in den Innenstädten. Ähnlich wie auch die Bilka-Häuser werden die Kaufhallen als "Nachbarschaftshäuser" für die Bevölkerung außerhalb der Großstadtzentren angesehen. Unternehmenssprecher Campen selbstbewußt: "Es gibt keine Haute im Kleinpreisgeschäft, es gibt höchstens flaue Kleinpreisläden."

Und dazu rechnet die Konkurrenz denn auch vor allem die Kepa-Kaufhäuser, deren Ertragssituation vor allem hinter denen von Kaufhalle und Bilka herhinkt. Die Ursache dafür sieht die Warenhauskonkurrenz vorrangig in "Führungsfehlern von Karstadt", der Muttergesellschaft. Die Kepa, die letztes Jahr in 85 Häusern einen Umsatz von gut 1,1 Milliarden Mark erzielte, verschwindet denn auch allmählich. Mit der Übernahme des Neckermann-Konzerns durch die Karstadt AG begannen im letzten Sommer die Essener, die immerhin Europas größtem Warenhausunternehmen vorstehen, mit der totalen Umorganisation ihrer Häuser. Nicht nur Neckermann-Warenhäuser, sondern auch die eigenen Kepa-Filialen werden – wenn die Standorte lukrativ für das Unternehmen sind – zu Karstadt-Häusern umgewandelt.

Karl Laschet, Karstadt-Vorstandsmitglied und Aufsichtsratsvorsitzender der Kepa, erläutert die Integration der Häuser so: "Kleinpreis-Warenhäuser in Größenordnung bis 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche haben keine Zukunftsaussichten mehr." Sie sind nicht mehr konkurrenzfähig. Diese kleineren Häuser sollen entweder in Fachgeschäfte wie Sport- und Möbelhäuser oder Baumärkte, andere in Auslieferungs- und Ausstellungsräume für den Neckermann-Versandhandel umgewandelt oder gar verkauft werden.

Die Karstadt-Manager sehen sich in ihrer strikten Loslösung vom Kleinpreis-Unternehmen vor allem durch Trends im Ausland bestätigt. "In Schweden", sagt Karl Laschet, "gibt es praktisch keine Kleinpreis-Unternehmen mehr." Und in den USA gäbe es längst keine Warenhäuser in europäischen Größenordnungen mehr. "Auch die anderen", so die Meinung von Laschet über die heimische Konkurrenz, "müssen sich umstellen. Woolworth hat dabei am längsten Zeit."

Ausgerechnet während einer Wirtschaftsflaute nehmen die Warenhausunternehmen Abschied von einer Konzeption, die zu Krisenzeiten entwickelt worden ist. Die "Epa Einheitspreisaktiengesellschaft", die spätere Kepa, und die "Ehape Einheitspreishandelsgesellschaft mit beschränkter Haftung", jetzt Kaufhalle, wurden mitten in den zwanziger Jahren gegründet – zu einer Zeit, als die wirtschaftliche Situation der großen Bevölkerungsschichten immer schlechter, die Arbeitslosigkeit immer größer wurde. Mit rund dreitausend Artikeln, die nicht mehr als 25, 50 und 100 Pfennige kosteten, wurden die Geschäfte eröffnet und schnell zur Massenattraktion. Die Idee – Waren zum festen, niedrigen Einheitspreis zu verkaufen – stammt aus den USA, wo Frank Winfield Woolworth bereits 1879 seinen ersten "The Great Five Cent Store" eröffnet hatte.

Heute haben neue Handelsformen die Lücke am unteren Ende der Preisskala entdeckt und besetzt: die Verbrauchermärkte und Discounter, bei denen die Konsumenten vor allem ihre Grundbedürfnisse an Nahrungs-, Wasch- und Körperpflegemitteln decken.