Günter Grotkamp, mächtiger Manager der Zeitungsgruppe WAZ (Westdeutsche Allgemeine, Westfälische Rundschau, Westfalen-Post, Neue Ruhr Zeitung) ließ sich öffentlich bedauern. Bei einem Anhörungsverfahren der Landeskartellbehörde Nordrhein-Westfalen, bei dem mißbräuchliches Wettbewerbsverhalten auf Grund der marktbeherrschenden Stellung des Verlagsgiganten untersucht wurde, klagte sein Anwalt – zum Lobe des Mandanten: "Wenn ideenreiche Unternehmer zum Buhmann der Branche gemacht werden, werden Presse- und Meinungsvielfalt nicht mehr verteidigt werden." Der Grotkamp-Anwalt weiter: "Wir haben unsere Stellung erweislich durch verlegerische und wirtschaftliche Leistungen erreicht."

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Trotz des Skandals um die Schweizerische Kreditanstalt in Chiasso: Tessiner Banken sind weiter Sammelstellen für – hauptsächlich italienische und französische – Fluchtgelder. Da diese nicht oder nur gering in der Schweiz verzinst werden und zur ohnehin guten Liquidität der Schweizer Banken beitragen, können die "Fluchtgeldsammler" im Ausland Kredite billig anbieten. Selbst ein kleines Institut wie die Gotthard-Bank (Bilanzsumme 1,8 Milliarden Schweizer Franken) fühlt sich deshalb stark genug, um ein interessantes Deutschland-Geschäft aufzubauen, und eröffnete eine Repräsentanz in Frankfurt.

Dazu holte sie sich Werner Iredi, der sechs Jahre die Allfonds-Investment-Fonds managte, bis die Muttergesellschaft Bayerische Hypotheken- und Wechselbank die ungeliebten Fonds an die Fonds-Gesellschaft der Dresdner Bank übertrug.

Jetzt stöhnt er als Repräsentant der Gotthard-, Bank: "Das Interesse von Banken und der Industrie an unseren Krediten ist so groß, daß ich bisher nur reagieren und nicht agieren konnte."

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Einen späten, aber hübschen Nachruf für das im Mai nach gerade drei Monaten Existenz wegen Erfolglosigkeit eingestellte Gruner + Jahr-Blatt Leute fand Michael Schirner. Der Kreative, der mit seiner Düsseldorfer Werbeagentur GGK für Leute die Werbung gemacht hatte, vor der Jahresversammlung des Fachverbandes Außenwerbung: "Das Publikum begriff nicht, daß es das Heft kaufen mußte, damit es die schöne Werbung weiter sehen konnte."