So ist heute noch das Gut Möschenfeld im Osten von München, wo er die meiste Zeit lebt, sein privater Besitz. Vertraglich hat er sich überdies das Recht ausbedungen, alle Entscheidungen allein treffen zu können. Dies, obwohl seit vielen Jahren in seinem Bankhaus inzwischen zwei seiner vier Söhne und ein Neffe ebenfalls persönlich haftende Gesellschafter sind.

Auch nach seinem Tode wird August von Finck noch die Geschichte des Bankhauses, der Beteiligungen und des umfangreichen Grundbesitzes (über 4000 Hektar, davon 1200 landwirtschaftlich genutzt) weiterbestimmen. Er hat seine Erben mit Knebelverträgen gefesselt (jedenfalls empfanden sie diese so), damit sie daran weiterarbeiten, was er zum Lebensinhalt gemacht hat: Das vom genialen Vater erworbene Vermögen.sichern und mehren.

Von seinem Vater spricht August von Finck, wenn er Besucher in der Bank am Münchner Lenbachplatz oder auf seinem Gut in Möschenfeld empfängt, noch heute voller Ehrfurcht. Dieser Wilhelm Finck – ihm wurde erst später der erbliche Adelstitel verliehen – war nicht nur in den siebziger und achtziger Jahren die beherrschende Figur in dem jungen Bankhaus Merck, Christian & Co geworden, das sich nicht umsonst bereits ab 1879 Merck, Finck & Co nannte; er war auch ein weitschauender Unternehmer und Mitbegründer von heute noch bedeutenden Unternehmen, wie der Allianz-Versicherung und der Münchner Rückversicherung, der Isar Amperwerke, der Süddeutschen Bodenkreditbank mit einer der Vorgängergesellschaften der Brauerei Löwenbräu. Und noch heute hält die Familie von Finck an den meisten dieser Gesellschaften Beteiligungen.

Sohn August von Finck, mit 26 Jahren durch den Tod des Vaters allein verantwortlicher Erbe geworden, mehrte das Vermögen und initiierte ebenfalls zahlreiche Firmengründungen oder beteiligte sich an bestehenden Unternehmen. Beispiele dafür sind die Udet-Flugzeugbau und eine Vorgängergesellschaft der Lufthansa. Und nicht zuletzt dehnte er das Bankgeschäft durch Beteiligungen beziehungsweise Übernahmen in Düsseldorf und Frankfurt aus.

Daß heute Merck, Finck & Co neben dem Hauptsitz in München zwei weitere Niederlassungen hat, erlaubt ihm, möglichen Familienstreit der Nachkommen zu vermindern. Sohn August von Finck junior (47), der sich mit seinem Bruder Wilhelm (50) nicht immer gerade gut verstand, leitet die Niederlassung in Düsseldorf, Wilhelm ist in München tätig. Neffe Wilhelm Winterstein ist Leiter der Frankfurter Niederlassung.

Aus zweiter Ehe hat August von Finck ebenfalls zwei Söhne. Einer macht gerade Abitur, der andere begann mit dem Volkswirtschaftsstudium. Über die Jungen mußte er sich nicht nur ärgern, weil seine ganze Autorität sie nicht bewegen konnte, sich ihre langen Haare abschneiden zu lassen; er bedauert es auch zutiefst, daß der Zweitjüngste gleich mit dem Studium begonnen hat, statt erst eine Banklehre bei Joh. Berenberg, Gossler & Co in Hamburg zu absolvieren, wie es der alte Herr und die älteren Söhne gemacht haben.

Nach der Ausbildung wird auch für die Jungen die Freiheit vorbei sein. Ihre Zukunft ist vom Vater bestimmt. August von Finck hat zwar das in einer Grundstücksgesellschaft und der Agricola Verwaltungsgesellschaft KG liegende Vermögen (das sind zwei Drittel des Gesamtvermögens) an die vier Söhne überschrieben; doch daran die Bedingung geknüpft, daß sie alle als persönlich haftende Gesellschafter in das Bankhaus eintreten müssen, also nicht nur Vermögen erben, sondern auch aktiv und verantwortlich tätig sein müssen. Wenn sie ausscheiden wollen, dann werden sie lediglich mit den Buchwerten bei den Industriebeteiligungen und den Einheitswerten beim Grundbesitz abgefunden – und das werden sie sich bei den großen Unterschieden zu den realen Werten wohl überlegen. Ein Verwaltungsrat wird zusätzlich darüber wachen, daß das Vermögen – und das ist das Hauptziel – zusammenbleibt.