Von Manfred Sack

Wer weiß das schon: daß die teuersten Autos mehr Prestige-Plunder haben als nützliches Design; daß bei billigen Wagen Sparsamkeit mit liederlichem Design verwechselt wird; daß nur in der Mittelklasse der Personenwagen bewiesen wird, daß Gebrauchstüchtigkeit durch gescheites Design nicht eine Frage des Geldes, sondern eine des Intellekts ist? Und daß der Fahrerplatz im Lastkraftwagen und im Omnibus, dort also, wo wirklich Schwerarbeit geleistet werden muß, nur ausnahmsweise eine menschenfreundliche Arbeitsstätte mit einer annehmbaren Arbeitsatmosphäre ist?

Derlei Erfahrungen vermittelt zur Zeit das Internationale Design-Zentrum in Berlin. Dort sind in natura vor der Tür und auf Photos Fahrzeuge zu betrachten, die im Wettbewerb um den "Fahrerplatz im Kraftfahrzeug" den vom Bundeswirtschaftsminister gestifteten, vom "Rat für Formgebung" vergebenen "Bundespreis, Gute Form 1976/77" bekommen haben.

Die Frage, wofür sie denn prämiiert worden sind, ist das eigentlich Interessante dieser Ausstellung, die mehr Lektüre als Schau darbietet. Man muß eine ganze Menge dazu wissen, zumindest das, was die Sachverständigen in ihren Katalogaufsätzen erzählen.

Fünfzig Kraftfahrzeuge hatten die Juroren zu begutachten, zur Hälfte Lastwagen und Omnibusse, zur Hälfte Personenautos, durchweg schon von den Produzenten ausgesucht, ihnen jedenfalls preisverdächtig scheinende Mobile, an denen deutlich Industrie-Designer mitgearbeitet haben. Das fiel besonders auf bei den Nutzfahrzeugen, wo mitunter alles bis zum unsichtbaren Griff unterm Sitz überlegt und konsequent durchgestaltet war, nicht nur – wie bei den Pkws – das, was man sieht. Um dies herauszufinden, um die Jury dabei zugleich von der Bürde subjektiver Entscheidungen zu erlösen, hatte der in Darmstadt ansässige "Rat für Formgebung" in anderthalbjähriger Denkarbeit eine ungewöhnlich logische Testmethode ausgearbeitet, die die Gestaltung von Kraftfahrzeugen (und, abgewandelt, von Industrieprodukten überhaupt) meßbar macht, ihren Gebrauchswert, ihr Design.

Für diesen Wettbewerb um die besten mobilen Arbeitsplätze hatten acht Sachverständige (Ingenieure, Arbeitswissenschaftler, Physiologen) und acht Designer verschiedener Disziplinen (auch ein Sozialpsychologe) für jeweils 768 Einzelheiten Zensuren von minus zwei bis plus zwei zu geben.

Die Sachverständigen interessierten sich dabei für Sicht, Bedienungselemente, Sitze und für den Innenraum. Sie prüften den Blickwinkel durch die Windschutzscheibe, die Verstellbarkeit der Rücklehnen, die Deutlichkeit der Instrumente; sie probierten, ob das Lenkrad auch für feuchte Hände griffig ist und die Hebel, Tasten, Knöpfe auch angeschnallt gut zu erreichen und nachts treffsicher zu finden sind; sie kümmerten sich um die (auch im Fahren) verstellbaren Sitze, ihre Maße, die am besten dosierte Nachgiebigkeit der Polster; sie beurteilten das Aus- und Einsteigen und begutachteten auch das Interieur des Arbeitsplatzes, in dem Omnibus- oder Lkw-Fahrer ja einen Teil ihres Lebens zubringen.