In seinem Beitrag „Le Mal allemand“ (Le Monde vom 19. 6. 1977) wendet sich Jacques Huntzinger, Professor für Politik an der Universität Besançon, gegen antideutsche Polemik. Der Autor ist außenpolitischer Berater des Sozialistenführers François Mitterrand.

„... man könnte fast glauben, die Bundesrepublik sei nicht einmal mehr ein unbequemer Partner, sondern geradezu der potentielle Feind, die Gefahr Nummer eins für Frankreich und Europa in den kommenden Jahren. Warum das? Weil die Bundesrepublik heute angeblich ein imperialistischer und herrschsüchtiger Staat ist.

Diese These entspricht nicht der deutschen Wirklichkeit. Daß die Bundesrepublik sich für die Nato stark macht, eine zivile Kernkraftindustrie entwickelt, die Bundeswehr stärkt, eine aggressive Handelspolitik betreibt und bei Verhandlungen ihre eigenen Interessen vertritt – all das ist ihr ureigenstes Recht. Jeder hat das Recht, ‚Gaullist‘ zu sein, wenn er es kann.

Es wäre eine ausgesprochene Dummheit, im Interesse Frankreichs oder Europas irgendeine Art antideutschen Rassismus zu praktizieren. Die Bundesrepublik ist nicht das gefährliche Monster, von dem heute viele sprechen. Sie hat ihre Fehler und Mängel wie jedes Volk, wie wir selbst. In der Bundesrepublik gibt es eine gewisse Hexenjagd, Italien kennt den politischen Terrorismus und den Aufstieg eines gewissen Neofaschismus, Großbritannien hat sein irisches Problem, und Frankreich ist kein Musterbeispiel für gewerkschaftliche Rechte oder die Informationsfreiheit.

Im übrigen ist Deutschland ein Verbündeter, gegenüber dem Frankreich Verpflichtungen eingegangen ist, ein Kunde, ein Nachbar und ein wesentlicher europäischer Partner. Aber Deutschland kann noch viele andere Beziehungen zu Frankreich entwickeln, wenn die beiden Völker das wollen. Und Frankreich ist vielleicht das Land in Europa, das Westdeutschland am besten dabei helfen kann, den Übergang zu Ende zu bringen, der es aus den fünfziger Jahren herausführt.“

James Reston, Chefkolumnist der New York Times, berichtet aus Bonn (International Herald Tribune vom 16. 6. 1977) über neue Spannungen zwischen Helmut Schmidt und Jimmy Carter.

„Im Prinzip sind sie sich einig, doch in der faktisch-politischen Handhabung der Menschenrechte haben Präsident Carter und Bundeskanzler Helmut Schmidt noch keine gemeinsame Linie gefunden.