Von Heidi Dürr

Als schon vor einigen Jahren das nahe Ende des Gutenberg-Zeitalters vorausgesagt wurde, setzten manche Propheten auch die Fahnen des Buchhandels auf Halbmast. Wenn das gedruckte Buch großenteils durch den Computer und andere elektronische Medien ersetzt würde, wäre auch der Beruf des Buchhändlers über kurz oder lang überflüssig.

Wie viele andere medienpolitische Voraussagen der Nachkriegszeit hat sich diese Prognose nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Die Buchproduktion wächst nach wie vor, die Buchumsätze steigen, und der Beruf des Buchhändlers wird – laut „Report 75“ der Tübinger Wickert-Institute – heute zu den 30 zukunftsreichen Tätigkeiten gerechnet. Denn das Buch, darin sind sich die Fachleute mittlerweile einig, wird als Medium der Unterhaltung, Bildung und Information in absehbarer Zeit nicht ersetzt werden.

Der angehende Buchhändler kann sich zwischen vier Buchhandelssparten entscheiden: zwischen dem verbreitenden Buchhandel (dem sogenannten Sortiment), dem Verlag, dem Zwischenbuchhandel (auch Barsortiment genannt) und dem Antiquariat, also dem Handel mit alten Büchern. Voraussetzung eines Lehrvertrags ist der Hauptschulabschluß. Lieber und häufiger werden jedoch Realschüler oder Abiturienten eingestellt, für die der Buchhändlerberuf wegen des Numerus clausus in den letzten Jahren wieder attraktiver geworden ist. Die dreijährige Lehrzeit verkürzt sich bei Realschülern um ein halbes, bei Abiturienten oft sogar um ein ganzes Jahr. In jedem Fall haben die Auszubildenden die Möglichkeit, sich mit Zustimmung des Betriebs ein halbes Jahr früher zur Prüfung zu melden. Die Zahl der Ausbildungsplätze hat sich seit – Beginn dieses Jahrzehnts stark verringert. Standen 1970 noch 3355 Plätze zur Verfügung, wären es 1975 nur noch 2070. Seitdem allerdings haben sich die Chancen, im Buchhandel eine Lehrstelle zu finden, wieder leicht verbessert. 1976 wurden bereits 2225 Auszubildende registriert.

Entsprechend der Struktur des Buchhandels sind die Ausbildungsplätze sehr unterschiedlich auf die einzelnen Sparten verteilt. Im vergangenen Jahr lernten 90 Prozent der Auszubildenden im Sortiment, acht Prozent im Verlag, 1,2 Prozent im Buchgroßhandel und nur 0,7 Prozent im Antiquariat.

Die Verordnung über die Berufsausbildung zum Buchhändler schreibt für die Auszubildenden aller vier Buchhandelssparten dieselben Mindestkenntnisse vor:

  • Kenntnisse der Entwicklung, der Struktur und der Funktion des Buchhandels im Rahmen gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge;
  • Kenntnisse der Unternehmensorganisation;
  • allgemeine Büroarbeiten, Schriftverkehr, berufsbezogenes Rechnen, Statistik;
  • Kundenberatung;
  • Kenntnisse der wichtigsten wirtschafts-, arbeits- und sozialrechtlichen Vorschriften;
  • Kenntnisse der wichtigsten Kategorien und Epochen der Literatur, der wissenschaftlichen Arbeitsgebiete und Fachausdrücke;
  • Bibliographien und Nachschlagewerke;
  • Herstellung von Büchern und anderen Informationsträgern
  • Einkauf, Verkauf und Vertrieb;
  • Werbung und Verkaufsförderung;
  • Rechnungswesen und EDV.