Westdeutschlands Heilbäder sind krank. Als Folge von Wirtschaftsrezession und Kostendämpfung sind die Zahlen der Kurgäste, namentlich in Bädern mit überproportionalem Anteil an Kassenpatienten, beängstigend zurückgegangen.

Der deutsche Bäderverband rechnet den Versicherungen den unerheblichen, für die Bäder jedoch lebenswichtigen Prozentsatz der Ausgaben für Heilkuren vor: am Etat der BfA nur drei Prozent, bei der DAK 2,3 und bei der AOK nicht einmal 0,8 Prozent. Der Verband gibt zu bedenken, daß die Kosten für Heilverfahren wesentlich geringer sind als die drohenden Mehrausgaben für Frührentner. Eine Untersuchung der LVA Württemberg bei 10 000 Versicherten je zwei Jahre vor und nach einer Heilbehandlung ergab einen Rückgang um etwa 30 Prozent. Resultat einer sozial-medizinischen Untersuchung bei 7000 Kurteilnehmern: im Beobachtungszeitraum von zehn Jahren minderten sich die Arbeitsausfälle im Durchschnitt um 37 Prozent. Jeder für ein Heilverfahren investierte Betrag bringt also den Rentenversicherungen dreifachen Gewinn.

Heilbäder sind lohnintensive Wirtschaftsunternehmen mit annähernd 250 000 Beschäftigten und einem Anlagevermögen der Kurverwaltungen (Kureinrichtungen) sowie Kliniken, Sanatorien und Privatbetrieben (Betten) von etwa 34 Milliarden Mark. Es gibt über 250 anerkannte Heilbäder und Kurorte, davon 140 Mineral- und Moorbäder, 50 Kneippkurorte, je etwa 40 Seebäder und heilklimatische Kurorte. Sie betreuten jährlich mehr als fünf Millionen Kurgäste (40 Prozent der Fremdenübernachtungen in der Bundesrepublik) mit einem Gesamtumsatz von über zehn Milliarden Mark.