Die 77jährige Anna Seghers ist die grand old lady der deutschen Literatur. Ihre frühe Prosa – schon 1928 mit dem renommierten Kleist-Preis ausgezeichnet – gehört zum unvergeßlichen Bestand der deutschen Gegenwartsliteratur so gut wie der grandiose Antifaschismus-Roman „Das siebte Kreuz“, den Hollywood mit Spencer Tracy verfilmte.

Hierzulande hat man ihr bedeutendes Oeuvre nie recht wahrgenommen den Millionenauflagen in aller Welt stehen nur ziemlich bescheidene Zahlen ihres westdeutschen Verlages gegenüber. Seit der Verleihung des Darmstädter Büchner-Preises im Jahre 1947 gab es eher Querelen als Ehrungen: Ihre Vaterstadt Mainz etwa konnte sich nicht dazu verstehen, ihr zum 75. Geburtstag die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Den zahllosen Preisen und Auszeichnungen der DDR, wo Anna Seghers seit ihrer Rückkehr aus dem mexikanischen Exil lebt, stand eine schnöde Enthaltsamkeit im Westen gegenüber.

Jetzt hat die Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz der promovierten Kunsthistorikerin – die ihr Pseudonym nach dem Rembrandt-Zeitgenossen Hercules Seghers bildete – den Ehrendoktor verliehen. Die Ernennung zum Dr. honoris causa ist eine längst fällige, noble Geste. Ein winziger Dank für ein großes Werk.

F.J.R.