Auf dem Laufsteg paradieren sie seit Wochen; meist singen sie im Duett, gelegentlich als Solisten. Beide dementieren sie dem Parteipublikum beredt, nach Höherem zu strebei. Aber bei beiden, 46 Jahre der eine wie der andere, scheint klar, daß sie sich noch nicht versinken der Pflege der midlife crisis widmen woller: Friedhelm Farthmann und Johannes Rau reißen sich geradezu um die Nachfolge im nordrhein-westfälischen SPD-Vorsitz, den bisher wahrhaft unauffällig Werner Figgen innehatte. In der Duisburger Mercatorhalle entscheiden 300 Delegierte am Samstag darüber.

Reizvoller Einfluß oder gar Macht im 300 000 Mitglieder starken Verband ist bisher ungeschmälert den vier SPD-Bezirken vorbehalten. Das Kalkül von Rau und Farthmann enthält daher geviß Hintergedanken: Der Ministerpräsident Heinz Kühn, 65 Jahre alt, gibt spätestens 1980 sein Amt ab. Und das hat seinen Reiz.

Die sozialliberale Koalition von Kühn und Willy Weyer in Düsseldorf ebnete dem Brandt-Scheel-Pakt 1969 den Weg. Bräche die Koalition im Revier auseinander, bliebe das für Bonn nicht ohne Folgen. Kurt Biedenkopf unterlag, als er den Bundestagswahlkampf hier – freilich vergeblich – für die CDU zu entscheiden suchte, keinem taktischen Mißverständnis. Als er sich in der CDU Westfalens an die Parteispitze manövrierte und damit eine neue Basis suchte, hatte er ähnliches im Sinn wie jetzt Farthmann und Rau: Die beiden großen Parteien haben die politischen Ressourcen, über die sie in Nordrhein-Westfalen verfügen, brach liegenlassen.

Sie auszuschöpfen, haben Farthmann wie Rau im Sinn. Die SPD muß über das Schaulaufen nicht klagen: Beide Rivalen stellen was dar, beide wirken integrativ. Arbeitsminister Professor Farthmann, der bei den Gewerkschaften reüssierte, konnte, zupackend wie er ist, die Kumpels gewinnen.

Prediger-Sohn Rau ist eher von abwartendem Temperament, sensibler, aber auch er. hat das Zeug, die Führungsprobleme zu meistern, die es gibt. So besehen, ist das Düsseldorfer Duett immerhin eine achtenswerte Rarität. G. H.