Mittelmäßig

„Jesus von Nazareth“ von Michael Campus. 1927 wurde in England Cecil B. DeMilles „King of Kings“ verboten: weil es unschicklich schien, Jesus Christus durch einen Schauspieler darstellen zu lassen. 1977 wurde dem dänischen Regisseur Jens Jörgen Thorsen die Einreise nach England verweigert: weil er hier eine Produktionsmöglichkeit für sein umstrittenes „Sexualleben Jesu Christi“ zu finden hoffte. Allen Restriktionen zum Trotz: In den 50. Jahren dazwischen hat sich Jesus als beliebtester Leinwand-Protagonist erwiesen, dicht gefolgt von Napoleon, Hitler und Lenin. Durchaus nicht immer in banalen Bebilderungen, denn schließlich hießen die Regisseure u. a. Nicholas Ray, George Stevens, Bunuel, Pasolini und Rossellini. Der Jesus dieses Films singt nicht (wie in „Godspell“ oder „Jesus Christ Superstar“) und wird nicht besungen (wie von Johnny Cash in „The Gospel Road“) – er agitiert. Nach dem Buch „The Passover Plot“ (so auch der Originaltitel) von Hugh J. Schonfield erscheint Jesus (Zalman King) – halb revolutionärer Erneuerer, halb religiöser Eiferer – als Initiator einer Passah-Verschwörung, die jüdische Machtübernahme erreichen will. Selbst Judas (Scott Wilson) ist eingeweiht und wird von Jesus zum „Verrat“ nur provoziert Die zumindest für das Kino ungewohnte Akzentverschiebung (Jesus als Sozialrevolutionär) verliert ihre Provokation allerdings weitgehend durch die dürftige Inszenierung von Michael Campus („Zero Population Growth“, 1971), der es mehr mit der Illustration als mit der Imagination hält Das Kapitel kontroverser Erlöser-Versionen dürfte damit noch nicht abgeschlossen sein. Auch Franco Zeffirellis neuer Jesus-Film hat bereits Gegenreaktionen (der „Fundamentalisten“) provoziert. Und Thorsen sucht noch immer einen Produzenten.

Helmut W. Banz

„Won Ton Ton, der Hund, der Hollywood rettete“ von Michael Winner, der zuletzt den fürchterlichen „Hexensabbat“ drehte und sich hier an einer Komödie über das Hollywood der Stummfilmzeit versucht. Die Abenteuer des Kino-Hundes Won Ton Ton, der in Wirklichkeit Rin-Tin-Tin hieß, und zwar nicht Hollywood, aber doch die Warner Brothers rettete, geraten dem englischen Regisseur zu einer ebenso lautstarken wie albernen Farce, die nichts vom grandiosen Zauber der alten Dream Factory verrät. Eher traurig stimmen auch die kurzen Auftritte einer ganzen Riege abgehalfterter Altstars von Victor Mature und Johnny Weismüller bis Rhonda Fleming und Joan Blondell. Lustig ist nur der Titelheld: ein deutscher Schäferhund namens Augustus von Schumacher.

Hans C. Blumenberg

„Tödlicher Irrtum“ von George Pan Cosmatos ist ein Versuch des Produzenten Carlo Ponti, die Publizität der „Kappler-Affäre“ filmisch zu vermarkten. Im März des Jahres 1944 ließ der SS-Obersturmbannführer Herbert Kappler in Rom (das zur „offenen Stadt“ erklärt war) 335 italienische Geiseln erschießen. Die Begnadigung des 1949 zu lebenslanger Haft verurteilten Kappler löste weltweite Proteste aus. George Pan Cosmatos („Cassandra Crossing“) vermeidet in diesem Film alles Provokative: rüde antideutsche Ressentiments ebenso wie die präzise Beschreibung politischer Hintergründe. Mit Richard Burton als Kappler und Marcello Mastroianni als Pater Antonelli prominent besetzt, reduziert sich bei ihm das Politikum zum persönlichen Dilemma zweier Protagonisten: Soldat des Staates der eine, Soldat der Kirche der andere, sympathisierend miteinander ob ihrer Liebe zu alter Kunst und scheiternd am jeweiligen hierarchischen Ordnungssystem. Immer, wenn es dramatisch wird, dröhnt die Musik (Ennio Morricone), und hektisch wird die Montage: politische Brisanz erstickt in genreüblichen Mechanismen. Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

„Der Stadtneurotiker“ von Woody Allen. „Eine Frau unter Einfluß“ von John Cassavetes. „Stroszek“ von Werner Herzog. „Yü Gung versetzt Berge“ von Joris Ivens und Marceline Loridan. „Die Marx Brothers im Kaufhaus“ von Charles Riesner. „Der amerikanische Freund“ von Wim Wenders (siehe Seite 30).