Zu den Wahlsiegern des 15. Juni zählt – neben der „Union des Demokratischen Zentrums“ UCD, mit dem alten und neuen Regierungspräsidenten Adolfo Suárez an der Spitze, und der „Sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens“ PSOE von Felipe Gonzales – die spanische Börse. Während der letzten achtzehn Monate hatten sich die Aktienkurse in Madrid, Barcelona und Bilbao nahezu halbiert. Hätte die Notenbank nicht durch Stützungskäufe eingegriffen, wäre es noch schlimmer gekommen. Schon ein Tag vor den Parlamentswahlen änderte sich jedoch das Bild. Plötzlich kam wieder Leben in die Börsen, deren Kurse’ in der letzten Woche im Durchschnitt um 6 Punkte stiegen.

Diese Tendenzwende ist die Reaktion auf den ruhigen Wahlkampf, auf den Sieg von Suárez und auf die Entscheidung des Königs, zehn prominente Wirtschaftler in den Kreis der von ihm ernannten 41 Senatoren aufzunehmen. Drei Bankiers, vier Vertreter der Industrie und des Handels und drei Wirtschaftsprofessoren sollen mit ihrem Rat helfen, den spanischen Wirtschaftskarren aus dem Dreck zu ziehen. Da die bekannten Gewerkschaftsführer auf den Listen der Linksparteien gut plaziert waren und in die „Cortes“ gewählt wurden, darf man auf die zukünftigen Wirtschaftsdebatten gespannt sein.

Die Kommunisten, Christdemokraten und Francisten haben nicht nur die Wahl, sondern auch viel Geld verloren. Die hundert Millionen Mark staatlicher Wahlzuschüsse werden nämlich nach der Zahl der gewonnenen Mandate verteilt und kommen daher vor allem der UCD und dem PSOE zugute. Die „Volksallianz“ dagegen hat für den Wahlkampf 50 Millionen Mark ausgegeben, kann mit ihren mageren 19 Mandaten aber nur auf 3,5 Millionen Mark aus der Staatskasse hoffen. Wie die Manager der mitgliedsschwachen Parteien das Loch in der Kasse stopfen, weiß noch niemand.

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Zu den Verlierern der Wahl zählt auch die Pesete, deren Wechselkurs am 16. Juni um neun Prozent gegenüber den EG-Währungen absackte. Das Ausland beurteilt die wirtschaftliche Zukunft des iberischen Königreichs skeptischer als die spanische Börse. In Finanzkreisen wird damit gerechnet, daß eine Abwertung der Pesete zwischen zehn und fünfzehn Prozent die erste wirtschaftspolitische Maßnahme der neuen Regierung sein wird.

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Unbekannt ist auch noch, wer Finanzminister werden soll. Daß er um sein Amt nicht zu beneiden sein wird, weiß dagegen jeder. Ihm fällt die undankbare Aufgabe zu, den Spaniern den Gürtel enger zu schnallen und die Kapitalflucht zu stoppen. Am Wochenende wurde ein deutsches Ehepaar an der Grenze geschnappt, als es versuchte, 700 000 Mark außer Landes zu schmuggeln.

Carsten R. Moser