Unter preisbewußten Vielfliegern kursiert ein neuer Geheimtip: Eine britische Luftfahrtgesellschaft bietet ab Herbst dieses Jahres USA-Flüge zu Niedrigsttarifen an. Nachteil für deutsche Interessenten: Die Maschinen werden nur in England starten.

Rund sechs Jahre dauerte der Kampf des englischen Flugunternehmers Frederick A. Laker. Schon 1971 nämlich hatte er die Idee, einen Liniendienst zwischen England und den USA einzurichten, der mit unorthodoxen Methoden und absoluten Kampfpreisen für Geschäftserfolge geradezu prädestiniert schien. „Skytrain“ (Himmelszug) nannte er sein Projekt. Die Passagiere sollten einfach einsteigen, bezahlen und losfliegen – so simpel wie eine Fahrt im städtischen Omnibus.

Doch während die Presse den Laker-Plan stürmisch bejubelte, kam der unerwartete Rückschlag von den Behörden in London und Washington. Gedrängt von den nationalen Fluggesellschaften auf beiden Seiten des Nordatlantiks verweigerten sie dem „Skytrain“-Proiekt die Erlaubnis. Freddie Laker ließ sich jedoch nicht einschüchtern. Er begann, für seine Idee zu kämpfen. Und das mit Erfolg, denn Anfang dieses Jahres waren alle rechtlichen Hürden überwunden. Was fehlte, war allein noch die Unterschrift des amerikanischen Präsidenten. Sie kam am Montag, dem 13. Juni 1977. Jimmy Carter setzte sich damit über die Bedenken seiner Vorgänger Nixon und Ford hinweg. Amerikanische Experten hatten es ihm empfohlen.

Der Sieg der Sozialtarife über die Bürokratie war endlich errungen, auch im Hauptquartier der Laker Airways laufen jetzt die Vorbereitungen auf Hochtouren. „Am 26. September startet unsere erste Maschine“, freut sich ein Sprecher des Unternehmens: Zunächst elfmal pro Woche und in der Wintersaison ab 1. Oktober jeweils täglich soll ein Großraum-Flugzeug vom Typ DC–10 (345 Sitzplätze) die Verbindung nach New York bedienen. Der Hinflug in die USA kostet 59 Pfund (rund 250 Mark), der Rückflug nach England 135 Dollar (rund 320 Mark). Drinks und Essen gibt es nur gegen Aufpreis. Die Preise sind aber zivil, ein Mittagessen ist bereits für 6,50 Mark zu haben. Operiert wird nach dem sogenannten Shuttle-System, das heißt: Buchungen sind erst sechs Stunden vor dem Abflug möglich.

Ob der „Skytrain“ auch für deutsche Interessenten attraktiv ist, muß allerdings bezweifelt werden: Der billigste Charterflug nach London kostet hierzulande rund 200 Mark. Damit würde also der Gesamtflugpreis nach New York etwa 800 Mark betragen. Nachteilig ist weiter, daß Laker Airways nicht von dem internationalen Londoner Heathrow Airport starten darf, sondern nur ab Stansted, einem kleinen Flughafen im Norden der englischen Hauptstadt, rund zwei Autostunden von der City entfernt. Hinzu kommt noch das Risiko, keinen Platz zu ergattern, wenn man etwa als 346. an den – Ticket-Counter kommt. In diesem Fall muß man sich eben beim nächsten Flug wieder anstellen.

Solche Nachteile, die man bei den sogenannten ABC-Flügen ab Deutschland nicht zu befürchten hat, werden allein dadurch aufgewogen, daß man nicht (wie beim ABC-System) bereits 60 Tage vor dem Abflug mit voller Namensangabe buchen muß. Genau dieser Umstand war es, der bislang eine Reihe von Geschäftsleuten davon abhielt, die Sondertarife (Preise ab rund 700 Mark) zu beanspruchen, weil sie nur relativ kurzfristig planen können.

So reagiert denn auch die bundesdeutsche Luftfahrtszene recht gelassen auf Lakers Dumping-Dienst. Helmut Kaulich, Sprecher der deutschen Lufthansa, ist der Meinung, daß es nicht Aufgabe einer nationalen Fluggesellschaft sein könne, ähnliche Angebote zu machen: „Das kann sich nur ein Unternehmen leisten, das keinerlei unrentable Strecken fliegt!“