Vom 1. Juli an werden die Kunden der Deutschen Bank für einige Dienstleistungen höhere Preise zahlen müssen als bisher. Die Mehrausgaben werden niemanden umwerfen. Für das Führen eines Girokontos mußte bisher pro Posten eine Gebühr von vierzig Pfennig bezahlt werden; künftig werden es fünfzig Pfennig sein. Das ist eine Preiserhöhung um 25 Prozent. Das klingt zwar erschreckend. Führt man sie aber auf absolute Größen zurück, ist sie nur halb so schlimm. Der statistisch ermittelte Durchschnittskunde verfügt im Monat siebenmal über sein Konto. Von den sieben Buchungen sind drei kostenlos, vier muß er bezahlen. Bei ihm beträgt die Mehrbelastung im Monat vierzig Pfennig, im Jahr 4,80 Mark.

Trotzdem regt das die Leute auf. Die Bankvorstände fragen erstaunt, warum das so sei, ob denn die Bankgebühren die Rolle des politischen Preises übernommen hätten, die der Brotpreis so lange gespielt hat. So unrecht haben sie gar nicht. Wenn es um Banken geht, kommen rasch Emotionen ins Spiel.

Die Banken haben den „kleinen Mann“ erst vor wenigen Jahren entdeckt. Bis 1959 gab es auch in ihren Reihen heftige Diskussionen darüber, ob sie gut beraten seien, wenn sie sich auf, das Mengengeschäft mit dem kleinen Mann einlassen. Ein Teil der neuen Klientel hat daher noch die Werbesprüche im Ohr, mit denen Anfang der sechziger Jahre die Lohn- und Gehaltsempfänger in das Gehege der Banken gelockt werden sollten. Die neuen Kunden wissen sicher nicht mehr genau, ob die Versprechungen, bargeldloses Zahlen koste nichts, aus der Sparkassenecke (was stimmt) oder aus der Bankenecke (was nicht stimmt) kamen. Ihnen klingt aber noch in den Ohren, daß ihnen der bargeldlose Zahlungsverkehr gratis angeboten wurde, da sich ja auf den Konten ein Bodensatz ansammeln würde, mit dem die Kreditinstitute ertragbringend arbeiten könnten.

Natürlich waren die neuen Bankkunden erschrocken, als das alles nicht mehr stimmte. Die Gebühren für das Führen von Girokonten sorgten für Schlagzeilen. Jedesmal, wenn sie der neuen Kostenlage angepaßt wurden, wiederholte sich die Aufregung.

Schließlich hatten die meisten Kunden nicht die geringste Ahnung, was sich innerhalb der Mauern bei den Kreditinstituten abspielte. Als die Idee der bargeldlosen Lohn- und Gehaltszahlung erst einmal Fuß gefaßt hatte, stiegen die Buchungsvorgänge lawinenartig. Die Geister, die die Bankiers gerufen hatten, wurden sie nun nicht mehr los. In den Vorstandszimmern sagte man Anfang der sechziger Jahre scherzhaft, eigentlich müßte in jeder Bankfiliale ein Schild angebracht werden mit der Aufschrift: „Wir bitten die verehrlichen Kunden, von der Eröffnung eines Kontos abzusehen.“

Zur Bewältigung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs hätte das Personal kräftig aufgestockt werden müssen. Abesr der Arbeitsmarkt war leergefegt. Die Rettung aus diesem Dilemma war die Elektronik. Ohne den Computer wären die Buchungen des Mengengeschäfts überhaupt nicht zu bewältigen gewesen. Aber die Elektronik kostet Geld und muß von Menschen bedient werden, die teuer sind.

So erhöhte sich, wie die Bankiers versichern, das Defizit im Zahlungsverkehr jedes Jahr erheblich. Immer mußten die Kosten des Zahlungsverkehrs rund zur Hälfte durch Erträge aus anderen Sparten ausgeglichen werden. Es ist eine Frage des Ermessens, wann eine Universalbank den Zeitpunkt für gekommen hält, da sie die Unterdeckung des Zahlungsverkehrs nicht mehr durch Erträge aus anderen Dienstleistungen, sondern durch höhere Gebühren ausgleicht.