Von Heinz Blüthmann

Mehr als 51 Millionen Schweizer Franken Reingewinn nach Steuern im vergangenen Jahr stimmten Europas Kaffeekönig Walther Jacobs so zufrieden über die „gesunde Ertragskraft“ seines Bohnenkonzerns, daß er mit Lob nicht geizte: „Den geschäftlichen Erfolg haben wir umsichtigen und leistungsbereiten Mitarbeitern in acht Ländern zu verdanken.“ Für knapp drei Viertel der so gepriesenen Angestellten und Arbeiter, nämlich 2800 Beschäftigte im wichtigsten Jacobs-Land Bundesrepublik, kamen dennoch zur gleichen Zeit schlechte Neuigkeiten aus der Züricher Konzernzentrale.

Aus Zeitungen erfuhren die Jacobs-Mitarbeiter des Konzern-Stammhauses in Bremen, daß sie ihrer Arbeitsplätze keineswegs so sicher. sein können, wie mancher von ihnen angesichts der florierenden Geschäfte in der Bundesrepublik glauben mochte. Denn trotz eines dreißigprozentigen Umsatzsprungs im vergangenen Jahr – erstmals über die Milliardengrenze auf 1251 Millionen Mark – hatte Klaus Jacobs, Chefmanager der Schweizer Tochtergesellschaft und Sohn des siebzigjährigen Familienseniors Walther, öffentlich Unlust an der deutschen Tochter bekundet und für zukünftige Investitionen den Bremern einen Korb gegeben: „Rotterdam und Marseille sind auch schöne Städte.“

Warum der ansonsten eher publicityscheue Kaffee-Clan – die Familie Jacobs hält 51 Prozent der Züricher Muttergesellschaft über eine Stiftung mit Sitz in Zug – auf solch ungewohnte Offenheit Wert legte, gab Klaus Jacobs nur zu gern preis: Der Kaffeefamilie paßt die Bonner Steuerpolitik nicht in den Kram. Und jede Gelegenheit, dies zu demonstrieren, ist da gerade recht.

Diesmal wurde noch mehr geboten: Weil die Unternehmerfamilie dem bösen Fiskaltreiben in der Bundesrepublik nicht tatenlos zusehen wolle, so gab Klaus Jacobs („Den Deutschen werden, wir es schon zeigen“) zu verstehen, enthüllten die Konzernmanager in Zürich demonstrativ einen Schachzug, den prompt die Süddeutsche Zeitung als „Warnschuß an Bonn“ und die Frankfurter Allgemeine immerhin noch als „Antwort von Jacobs“ verstand: die Degradierung der deutschen Tochter Joh. Jacobs & Co GmbH zu einer juristisch unselbständigen Abteilung (im Steuerchinesisch: Betriebsstätte) unter dem Dach der Schweizer Firma. Erklärtes Ziel der Steueroperation soll es sein, dem deutschen Fiskus zum Wohle der Jacobs ein Schnippchen zu schlagen.

Die Kaffeeunternehmer (Klaus Jacobs: „Über 75 Prozent der Aktionäre unseres Hauses wohnen jetzt in der Schweiz. Jacobs ist jetzt eine Schweizer Gesellschaft.“) gehören wie alle anderen ausländischen Gesellschafter und Aktionäre deutscher GmbHs und AGs zu den Verlierern der Körperschaftsteuer-Reform, die seit Anfang dieses Jahres in Kraft ist. Im Fall Jacobs müssen hierzulande nun 52 Prozent auf den (vollausgeschütteten) Gewinn (36 Prozent Körperschaftsteuer plus 25 Prozent Kapitalertragsteuer auf den Rest) an den Fiskus abgeführt werden, wo bislang lediglich 43,5 Prozent fällig wurden.

Während sich jedoch ein deutscher Anteilseigner nun die gezahlten Steuern (52 Prozent) in Form einer Steuergutschrift auf seine persönliche Einkommensteuer anrechnen lassen kann und somit die frühere Doppelbelastung von Dividenden (beim Unternehmer und beim Aktionär) entfällt, sind für Ausländer die einmal abgeführten Steuern endgültig verloren.