Eine Königskrone und die Zahl „1977“ sind entscheidende Kennzeichen. Bei dem Tshirt und der Bluse kommt noch ein Kranz von Lorbeer oder Eichenlaub hinzu. Auf dem Bierkrug kann der Sammler das Antlitz der Königin verlangen (dargestellt nach einer einst von Lord Snowdon angefertigten Photographie). Für Leute, die nicht auf den Pfennig zu sehen brauchen, ist ein Service in massivem Silber empfehlenswert. Zwar kostet allein der Teller 350 Mark, aber dafür haben wir auch beide Köpfe im Profil: den der Königin und dahinter im Umriß den des Prinzgemahls.

Vornehm wirkt auch ein Glas, auf dem unterhalb der stilisierten Krone die Zeichen „E II R“ eingraviert sind. Dieser Behälter – wenn das schnöde Wort erlaubt ist – hat einen Fuß aus Silber und ist 400 Mark wert. Suchen wir aber nach den billigsten Stücken des Jubiläumsangebotes, so stoßen wir auf Glasuntersätze aus Pappe mit Krone, Jahreszahl und Girlanden: zwei Mark pro Stück.

Damit ist noch längst nicht alles Schöne aufgeführt, was uns aus Anlaß des Silberjuliläums von Elizabeth II. unter dem Motto „Für Sammler“ dargeboten wurde. Aber wir sehen ungefähr die stilistische Richtung. Für routinierte Sammler genügen diese Angaben sicherlich. Nichtsammler blicken ohnehin verlegen zur Seite. Sie erkennen im großen und ganzen allein den Briefmarkensammlern einen höheren Rang zu. Daß deren Leidenschaft und Lust zum Spekulieren durch die Tatsache angestachelt wird, daß die Queen es 25 Jahre auf Englands Thron ausgehalten hat, nimmt jedermann als eine Selbstverständlichkeit hin. Übrigens trägt die Extramarke die Überschrift „Silver Jubilee“. Andererseits ist festzustellen, daß Sammler bemalter Tonfiguren nach Art der Gartenzwerge wieder einmal leer ausgehen. Obwohl ich kein Sammler bin, finde ich das schade.

Es heißt, daß es für Sammler nichts Besseres gäbe, als sich in stille Betrachtung ihrer Schätze zu versenken. Das aber darf bezweifelt werden. Noch schöner ist für sie, wenn sie einem zum Staunen fähigen Menschen dieerhamsterten. Kostbarkeiten zeigen können. So kenne ich jemanden, der guckt beim Vorführen seiner Sammlung die Gegenstände nur flüchtig, die Besucher jedoch ganz genau an. Erwähnen wir zum Beispiel seine Abteilung der Staatsmänner: Er hat Gips-, Holz- und Ton-Hitlers, die alle „Heil Hitler“ machen. Er hat einen Bierkrug mit Hitler-Kopf und Inschrift „Arbeit adelt“. Er hat einen Schreibstift mit einem Loch. Blickt man hinein, so sieht man Hitler, der in einem Auto fährt, stehend.

Dieser unser Sammler weiß auf den Seelen der Betrachter zu spielen wie ein Organist atf der „Königin der Instrumente“. Haben sie sich an Hitler sattgesehen, so führt er ihnen Hindenburg als Nußknacker vor oder de Gaulle als Gluttöter von Zigarettenstummeln.

Und welch vielseitige Verwendung haben erst Friedrich II. und Napoleon gefunden! Der große Preuße, einen Windhund streichelnd; der kleine Korse am Schreibtisch sitzend, der eine wie der andere in Porzellan. Der Sammler besitzt aber auch ein engumschlungenes Dichterpaar mit abschraubbaren Köpfen. Aus dem Linken fließt Öl, es ist Goethe. Aus dem Rechten Essig, es ist Schiller. (Es kann auch umgekehrt sein.)

Und hier ist eine Feststellung angebracht: Auch der materielle – nicht nur der ideelle – Wert der – Sammlung ist beträchtlich. Besonder die Franzosen haben es hier weit getrieben, speziell mit ihrem Napoleon; wobei sie zu unterscheiden wissen, ob ein Gegenstand „du Stile“ oder „de l’Epoque“ ist. Der Stil ist nicht alles; aus der Zeit zu sein, darauf kommt es an: nicht eine nachgemachte Elizabeth, sondern eine echte, eine aus ihrer Zeit, das heißt, von heute. In den Schrank gestellt und gut in Acht genommen, gewinnt sie an Wert für die kommenden Generationen.

Sammler sind Vererber. Ihren Erben hat Goethe zugerufen, daß sie sich um die Sachen kümmern sollten. („Erwirb es, um es zu besitzen!“) Auch ist es nicht zu spät, eine Sammlung mit Elizabeth anzufangen; Und aller Anfang ist schön!