Von Heinz Michaels

Bremen

Dem Hermann Rudolf Meyer geht es um das Prinzip und nicht um Geld. Das heißt, daß er die Millionenverluste, die er gegenwärtig erleidet, nicht deshalb in Kauf nimmt, um monatlich 5000 Mark zu sparen. Und weil Meyer um das Prinzip kämpft und um das, was er für sein Recht ansieht, erscheinen in der Hansestadt Bremen seit über zwei Wochen keine Tageszeitungen; nur zwei Boulevardblätter von auswärts und der Rundfunk informieren.

Die Vorgeschichte des Konflikts ist rasch erzählt. Zum 1. April wurden die Tarifgehälter in den Zeitungsverlagen erhöht. Als Ende Mai im Verlag des Weser Kurier die Gehaltsabrechnungen kamen, stellten 19 Redakteure und 81 Angestellte fest, daß bei ihnen die Tariferhöhung auf die freiwilligen Zulagen ganz oder teilweise angerechnet worden waren.

In der Betriebsversammlung am 2. Juni protestierte die Belegschaft gegen diese Maßnahme, forderte zusätzlich 30 Mark Zulage für jeden und beauftragte den Betriebsrat, darüber mit dem Verleger Meyer zu verhandeln. Ein Teil der Belegschaft blieb dann in der Kantine, um das Verhandlungsergebnis abzuwarten. Ein wilder Streik oder ein Warnstreik, wie es ihn Jahr für Jahr in der Bundesrepublik hundertfach gibt.

Das war um 17 Uhr. Zwei Stunden später sperrte Verleger Meyer die Streikenden kurzerhand für drei Tage aus. Doch die Ausgesperrten nahmen auch nach Ende der Aussperrung die Arbeit nicht wieder auf. Der Betrieb ruhte; die beiden Zeitungen Bremer Nachrichten und Weser Kurier konnten nicht erscheinen.

Seitdem geht es um das Prinzip. „Um das Prinzip, ob die Gewerkschaften hier das Sagen haben“, meint einer der leitenden Redakteure, die Tag für Tag ihre Zeit am Schreibtisch absitzen. „Um das Prinzip, daß Meyer seinen Herrim-Haus-Standpunkt durchsetzt“, meinen die Betroffenen.