Das Schreckgespenst einer ADAC-Kraftfahrzeug-Rechtsschutzversicherung nimmt für die etablierten Versicherungsgesellschaften und Vertreter Gestalt an. Ab Januar 1978 soll den fünf Millionen Mitgliedern des Automobilclubs für 65 Mark eine Leistung geboten werden, wie sie bisher von der vom ADAC vermittelten Rechtsschutzversicherung D.A.S. für 98 Mark jährlich geboten wurde.

Zwar ist das letzte Wort über die Prämie bei der neuen ADAC-Rechtsschutzversicherung noch nicht gefallen; doch steht fest, daß sie wesentlich billiger als die Konkurrenz sein wird. Der Grund: Ein teurer Außendienst zur Kundenwerbung entfällt.

Wütend reagieren deshalbvor allem die Versicherungskaufleute, die um ihre Leistungsgrundlage zittern. Der ADAC-Präsident Franz Stadler sah sich deshalb genötigt, dem Vorsitzenden des Bundesverbandes deutscher Versicherungskaufleute, Max Engl, schriftlich die Zusage zu geben, daß der Automobilclub auf keinen anderen Versicherungsgebieten tätig werden wird.

Sehr selbstbewußt gegenüber der Konkurrenz gibt sich Allianz-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Schieren. Bei der Vorlage des sehr guten Jahresabschlusses für 1976 wunderte er sich über die Kollegen anderer Versicherungsgesellschaften, „die meinen, die Delle im versicherungstechnischen Geschäft auf die Dauer durch hohe Zinserträge eliminieren zu können“. Seine Unternehmensphilosophie, die vor allem für die bei der Allianz dominierende Sparte der Kraftfahrzeug-Versicherung gilt: „Wenn ich die Wahl habe, dann nehme ich lieber einen leichten Apothekengeruch hin, bin teuer, und bediene dafür meine Kunden sehr gut.“

Schieren weiter: „Die Kunden schließen lieber bei Unternehmen ab, die vielleicht etwas teurer sind, dafür aber einen exzellenten Service bieten.“

Die Allianz hatte einen Rückgang ihres Kraftfahrzeug-Versicherungsmarktan- teils seit 1972 von 20 auf 18 Prozent hingenommen. Nach der Entzerrung der Tarife durch die Strukturreform will sie nun wieder verstärkt aquirieren.

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