Kurt Rebmann – energisch, selbstbewußt und im Zweifel für die Staatsautorität

Von Werner Birkenmaier

Kurt Rebmann, Chef der baden-württembergischen Justizverwaltung und Stellvertreter des Ministers seit 1965, hat es in jungen Jahren so weit gebracht, daß er es in diesem Bundesland nicht mehr weiter bringen kann. Das Amt des Generalbundesanwalts eröffnet dem 53jährigen Beamten neue Möglichkeiten und nun ist er, der immer im Schatten von drei Justizministern stand, endlich selber der erste Mann. Erster zu sein ist sozusagen der Lebensinhalt Kurt Rebmanns. In seinem Geburtsort Heilbronn legte er das Abitur mit der Note „Eins“ ab, und auch bei den juristischen Examina tat er es nicht darunter. Der Ministerialdirektor gilt als willensstark, vor allem aber als außerordentlich ehrgeizig. Sucht man nach den Wurzeln für so viel Karrieredrang, so findet man sie am ehesten im Beruf seines Vaters, einem schwäbischen Bezirksnotar. Diese Notare, aus dem gehobenen Justizdienst hervorgegangen, pflegen zu Juristen in einem gespannten Verhältnis zu stehen; oft erleben sie, daß sie den akademisch vorgebildeten Juristen in ihrem Fachbereich überlegen sind, ohne jedoch deren Ansehen zu genießen. Das schafft eine seltsame Seelenlage, für die vielleicht der Begriff Minderwertigkeitskomplex zutrifft. Notare betrachten Juristen kritisch, aber ihre Söhne werden – Juristen. Solche psychologische Ausgangslage ist einmal als „Karriere-Kanone unterm Hintern“ bezeichnet worden.

Diener vieler Herren

Rebmann erlebte einen entsprechend raschen und steilen Aufstieg. Erste Station war das Landgericht Heilbronn, dann folgte ein Zwischenspiel als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe; kurze Zeit gehörte er dem Landessozialgericht in Stuttgart an. Danach arbeitete er als Referent der baden-württembergischen Landesvertretung in Bonn und siedelte 1956 ins Justizministerium am Stuttgarter Schillerplatz um. Schon nach wenigen Jahren saß der geschickte Taktiker an der Spitze der Verwaltung.

Von da an war Rebmann ein eifriger Diener mehrerer Herren, manchmal auch mehr. Unter dem FDP-Justizminister Haussmann, der ihn an die Spitze der Behörde geholt hatte, regierte Rebmann nahezu allein. Als dann in Stuttgart eine Große Koalition gebildet wurde, versuchte der junge Justizminister Schieler, ein SPD-Mann, Rebmann zurückzudrängen. Seitdem schwand sein Einfluß ständig. Die Macht ging nach und nach an einen neuen Personalreferenten über, und inzwischen behaupten böse Zungen, wenn Rebmann heute eine Personalentscheidung befürworte, habe der Kandidat mit Sicherheit keine Chance. Rebmanns Stern verblaßte vollends, als der von ihm unterstützte Bewerber für den Vorsitz im Stammheimer Senat, Theodor Prinzing, Öffentlichkeit und Justiz gleichermaßen enttäuschte. Allerdings ist auch wahr, daß es für diesen brisanten Richterstuhl nur diesen einen Bewerber gab. CDU-Justizminister Bender hat das Ministerium nun endgültig allein im Griff, eine Tatsache, die einen so aktiven Beamten wie Rebmann irritieren muß. Schon seit längerem hielt er Ausschau nach einem neuen Betätigungsfeld. Da kam ihm der Ruf nach Karlsruhe gerade recht.

Die Öffentlichkeit rätselt nun, wie politisch der neue Generalbundesanwalt denn sei. Rebmann ist parteilos, und Leute, die ihn kennen, halten dies für folgerichtig. Man sagt ihm nach, daß er nur eine Partei kenne, nämlich die Rebmann-Partei. Wenn ihn an den Ministern verschiedener Couleur etwas gestört hat, dann war es nicht deren politische Orientierung, sondern die Tatsache, daß er, der exzellente Jurist und behördenkundige Ministerialdirektor, Leuten zu dienen hatte, die, wie Bender oder Haussmann, nur Anwälte sind, oder Oberregierungsrat wie Schieler. Genaugenommen hat er zu viel Format, um nur zweiter Mann zu sein.