Wer wissen will, wie Kohl von Strauß korrigiert wird, hat jetzt unschätzbare Dokumente zur Verfügung: die Pressewiedergabe der Rede, die der Oppositionsführer am 17. Juni im Bundestag halten wollte, und jene Rede, die dann von seinem CSU-Stellvertreter Zimmermann tatsächlich gehalten wurde.

Kohl war am 17. Juni mit der Frühmaschine nach Bonn zurückgeflogen, hatte aber dort wegen Nebel nicht landen können. Während Kohl über der Bundeshauptstadt kreiste, begann im Bundestag die Debatte. Per Funk und Telephon wurde die Fraktion unterrichtet, daß ihr Vorsitzender nicht rechtzeitig eintreffen könne. Zunächst wurde die Rednerliste geändert; Kohl, der ursprünglich unmittelbar nach dem Kanzler sprechen sollte, wurde weiter nach hinten gerückt.

Als sich herausstellte, daß Kohl in Düsseldorf landen mußte und daß ihn kein Hubschrauber von dort nach Bonn transportieren könnte, wurde Stellvertreter Zimmermann dazu erwählt, die Rede Kohls zu halten.

Zuvor freilich, so wurde von der Regierungsbank beobachtet, grapschte sich Strauß die Rede und strich darin herum. Das Ergebnis ist, was die Sprache angeht, nicht schlecht. Manche Floskeln sind gefallen, Längen wurden beseitigt, etwa Passagen wie die: „Menschsein verwirklicht sich in Freiheit, Freiheit konkretisiert sich im Verhältnis von Mensch zu Mensch.“ Politische Korrekturen freilich blieben Kohl auch nicht erspart.

Der Oppositionsführer hatte davon sprechen wollen, daß die Union nicht schweigen werde, „wenn Menschenrechte verletzt werden“. Die beiden folgenden Sätze Kohls aber fehlen in der von Strauß redigierten Fassung: „Wir sind weder auf dem rechten noch auf dem linken Auge blind. Deshalb werden wir auch künftig über Chile reden, aber ebenso über Mauer und Stacheldraht in Deutschland.“

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Der politische Witz hat sich Wehners Rolle in den letzten Wochen bei der Mehrheitsbeschaffung für das Steuerpaket bemächtigt. Folgende Geschichte wird erzählt: Herbert Wehner, verirrt im Nebel auf den Bergen, wagt, aus Angst, abzustürzen, nicht weiterzugehen. Da erscheint ihm ein Engel und sagt: „Geh voran, dir wird nichts passieren!“ Wehner fragt zurück: „Wird mir auch wirklich nichts passieren? Ich muß noch Politik machen.“ Der Engel beruhigt ihn: „Geh ruhig voran.“