Eine „verpaßte Gelegenheit“. Mit dieser Überschrift versah die gewiß nicht zu vorschnellen Urteilen neigende Neue Zürcher Zeitung ihren Bericht über die Energiedebatte des Deutschen Bundestages. Leider muß man zugeben, daß das Blatt damit den Nagel auf den Kopf getroffen hat.

Nachdem Energiepolitik seit Monaten vor allem auf der Straße und in Gerichtssälen stattgefunden hat, waren an diese Debatte große Erwartungen geknüpft worden. Doch weder die Sprecher der Regierung noch der Fraktionen glänzten mit neuen Ideen. Längst Bekanntes, gegenseitige Vorwürfe, Parteiengezänk nahmen statt dessen einen breiten Raum ein.

Auch die Mahnung von sechzig Nationalökonomen vom Vorabend der Debatte, endlich wieder eine rationale statt eine emotionale Energiepolitik zu betreiben, zeigte wenig Wirkung. Verwaltungsgerichte und Bürgerinitiativen werden daher wohl auch weiterhin die Richtlinien der Energiepolitik stärker beeinflussen als Regierung und Parlament. Die Debatte im Bundestag hat jedenfalls nicht den Eindruck hinterlassen, daß die Politiker wieder die Führung übernehmen wollen. mj