Die Strategie im Kampf um den Geldwert

Von Rudolf Herlt

ZEIT: Wenn Sie jetzt als neuer Bundesbankpräsident eine „Regierungserklärung“ abgeben müßten, wie würden Sie Ihr Programm in wenigen Sätzen umreißen?

Emminger: Erstens werde ich natürlich die bisherige Stabilitätspolitik – die ich mitgestaltet und mitverantwortet habe – konsequent weiterverfolgen, um sie zu einem endgültigen Erfolg zu bringen. Denn wir sind noch nicht am Ende dieser Politik; vier Prozent Inflation sind ja noch keine Stabilität. Zweitens liegt mir besonders daran, durch eine anhaltende und möglichst stetige Stabilitätspolitik die Inflationsmentalität, die auch in unserem Land immer wieder spürbar wird, zu überwinden. Die Wirtschaft und die Tarifpartner, daß heißt die für Investitionen, Löhne und Preise Verantwortlichen, müssen bei ihren Entscheidungen darauf vertrauen können, daß wir auch in Zukunft, auf Jahre hinaus, ein Klima der Stabilität haben werden.

ZEIT: Bei Ihrem Amtsantritt ist die Inflationsrate relativ niedrig. Läßt sie sich weiter herabdrücken, wenn ja, wie?

Emminger: Mit knapp vier Prozent ist die Inflationsrate nur niedrig, wenn man sie entweder an den höheren Inflationsraten des Auslandes oder an den höheren Inflationsraten der Jahre 1973 bis 1976 mißt. Dies erfordert einen nicht ganz einfachen Entwöhnungsprozeß bei allen Beteiligten.