Die Röntgenbildprojektion zeigt, wie der Katheter zur Herzkammer vordringt. Die Kanüle gleicht einem Grashalm im schlagenden Herzen. Darin schießt Kontrastflüssigkeit durch die Gefäße, als ginge vor hellem Himmel ein dunkles Feuerwerk nieder. Der Patient ist bei Bewußtsein. Die Herzkatheteruntersuchung ist schmerzlos. Nur die Einstichstelle in die Leistenvene wird lokal betäubt. Musik erklingt. Der Patient bewegt den Kopf, reagiert auf Fragen. Ein Assistent im angrenzenden Computerraum: „Er spürt nichts. Wenn das Kontrastmittel eindringt, wird ihm warm ums Herz.“

Knapp ein halbes Jahrhundert nach dem spektakulären Selbstversuch des Doktor Forßmann ist die Herzkatheterisierung an westdeutschen Spezialkliniken das aufwendigste Routineverfahren zur endgültigen Klärung von Herzfunktionsstörungen. Die Darstellung der Herzhöhlen und Herzkranzgefäße dient den kardiochirurgischen Kliniken als Grundlage für gezielte Eingriffe.

Die Röntgeneinrichtung (Kosten ohne Computer: 1,5 Millionen) gibt es im allgemeinen nur an Universitätskliniken mit über Jahre hinaus vollgeschriebenen Wartelisten. Eine Ausnahme ist die Kardiologische Schwerpunktklinik in Bad Oeynhausen. 1976 wurden etwa 800 Katheterisierungen vorgenommen, täglich zwei bis drei (bei einer Kapazität von 90 Betten).

Das Mineralbad zwischen Wiehengebirge und lippischem Bergland besitzt als einziges Bad in Westdeutschland drei Schwerpunktkliniken, die Kardiologische Klinik, eine Orthopädische und eine Diabetes-Klinik mit 160 beziehungsweise 300 Betten sowie sechs Kurkliniken, darunter ein Institut für Herz, Kreislauf und Rheuma (660 Betten) und eine Rheuma-Klinik (277 Betten). In den Kliniken gibt es etwa ein Drittel der insgesamt rund 6000 Bad Oeynhausener Kurgastbetten.

Bad Oeynhausen, eines der klassischen westdeutschen Bäder mit den klassischen Indikationen Herz- und Gefäßerkrankungen sowie rheumatische Leiden, dankt Heilerfolge und Ruf seinen Quellen, modernen Kureinrichtungen, der Bewegungstherapie und Patientenfreundlichkeit.

Namenspatron und unfreiwilliger Initiator der Kur ist der Berghauptmann Freiherr von Oeynhausen, der 1839 auf der Suche nach Steinsalz die erste warme Salzquelle anbohrte. Inzwischen kommt das heilende Wasser aus Tiefen bis zu mehr als 1000 Metern: fünf Thermalsolequellen (darunter die größte kohlensäurehaltige Thermalquelle der Welt: in der Minute 7000 Liter) und zwei kalte Solesprudel. Die Thermalsolen versorgen die Trinkhalle, vier Badehäuser, ein Bewegungszentrum mit drei Innenbecken, die von jeweils verschiedenen Quellen gespeist werden, und ein Hallenbad für die Aktivkur.

Die Oeynhausener Bewegungstherapie geht auf die Stunde Null nach dem Kriege zurück. Das Bad war fast zehn Jahre lang Hauptquartier der britischen Besatzungsmacht. (Im Hotel Königshof residierte Montgomery. Panzer verwüsteten den Kurpark.) Nach Abzug der Truppen suchte man einen neuen Anfang. Die Thermalsole des Jordansprudels wurde in das alte Hallenbad der Engländer geleitet. 1954 schrieb der damalige Kurdirektor Dr. Schmid: „... das Hallenbad wird mehr und mehr Kurmittel. An bestimmten Tagen üben dort schwerbeschädigte Kurgäste unter Anleitung ihres Arztes, der mit ihnen im Wasser Gehschule für Amputierte, Schwimmunterricht und andere Übungen für Behinderte macht.“