Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit... eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersätze des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.“ Dieser in § 823 BGB festgelegte Grundsatz unseres Rechts steht zweifellos heute wie früher im Einklang mit dem allgemeinen Gerechtigkeitsgefühl. Die starke Zunahme des Straßenverkehrs hat eine drastische Steigerung der Unfallzahlen zur Folge gehabt und damit die praktische Bedeutung dieser allgemeinen Verpflichtung zum Schadensersatz erheblich erhöht.

Wird bei einem Verkehrsunfall ein Mensch verletzt oder getötet, so erfolgt die genaue Bezifferung des Anspruchs und damit die Feststellung der Höhe des Schadensersatzes im Streitfall durch ein Gericht. Das Gesetz enthält dafür eine Reihe von speziellen Vorschriften: Auch der Verlust von Einnahmen und wahrscheinlichen Gewinnsteigerungen soll ersetzt werden (§ 842 BGB), ebenso eine Minderung der Erwerbsfähigkeit für die Zukunft (§ 843 BGB), im Fall der Tötung die Beerdigungskosten und die Unterhaltsansprüche von Dritten – wie Ehegatten oder Kindern – gegenüber dem Getöteten.

Die Gerichte haben im Laufe der Zeit eine feste und im wesentlichen verläßliche Rechtsprechung entwickelt, die Einzelheiten bei der Bemessung des Schadensersatzanspruches festlegt. Bei der Bewertung weiblicher Arbeitskraft hat sich die Rechtsprechung vor einiger Zeit geändert. War die verletzte Person eine Hausfrau, so stand noch bis in die sechziger Jahre hinein der Schadensersatzanspruch wegen einer Minderung ihrer Arbeitsleistung im Haushalt allein dem Ehemann zu, nicht der verletzten Frau. Es bedurfte einer Wendepunktentscheidung des Bundesgerichtshofes, um klarzustellen, daß auch die verletzte Hausfrau einen eigenen Schadensersatzanspruch hat, und erst im Jahre 1968 hat der Bundesgerichtshof entschieden, daß im Fall der Verletzung einer Hausfrau nur diese, nicht der Ehemann vom verantwortlichen Schädiger Schadensersatz verlangen kann. Wird eine Hausfrau dagegen getötet, so haben weiterhin sowohl der Witwer als auch die Kinder einen Schadensersatzanspruch im Rahmen der gesetzlichen Unterhaltspflicht.

Interessant ist bei der Bewertung der weiblichen Arbeitskraft die Höhe des Schadensersatzanspruchs. Vor allem im Fall der Tötung oder Verletzung einer Hausfrau muß das Gericht eine Tätigkeit in Geld bewerten, die normalerweise zwar als der Berufstätigkeit des Mannes gleichwertig gerühmt, aber selten beziffert wird.

Ist eine Hausfrau verletzt worden, so wird nach der Rechtsprechung die tatsächliche Arbeitsleistung an Hand des Einkommens einer geprüften Wirtschafterin errechnet. Ein hoher Arbeitsaufwand der Hausfrau wird entschädigt, auch wenn er erheblich über der normalen Arbeitsleistung einer Hausangestellten in einer 40-Stunden-Woche liegt. Erst kürzlich hat das Oberlandesgericht Oldenburg den Schadensersatzanspruch einer verletzten Hausfrau auf knapp 1000 Mark monatlich festgesetzt. Ob tatsächlich eine Hausangestellte beschäftigt wird oder nicht, ist dabei gleichgültig. Auch wenn die Familie der verletzten Frau – zum Beispiel durch verstärkte Mitarbeit der Kinder – den Schaden voll ausgleicht, bleibt ihr Schadensersatzanspruch in voller Höhe bestehen.

Ist eine Hausfrau getötet worden, so können Witwer und Kinder neben den Beerdigungskosten eine Geldrente für den entgangenen Unterhalt verlangen. Anhaltspunkt für die Berechnung ist auch hier eine vergleichbare Ersatzkraft. Jedoch wird in diesem Fall nur die Arbeitsleistung ausgeglichen, zu der die Hausfrau kraft Gesetzes verpflichtet war, nicht ihre tatsächlich geleistete Mehrarbeit. Auch sind Mitarbeitspflichten von Mann und Kindern im Haushalt anzurechnen und die tatsächlichen Ersparnisse dadurch, daß Verpflegung, Kleidung und sonstiger persönlicher Bedarf der Frau nun nicht mehr vom Mann aufgebracht werden müssen. Was nach diesen Abzügen einem Witwer mit Kindern an Schadensersatz verbleibt, ist je nach der Größe des Haushalts und der Höhe der Abzüge verschieden. Oft liegen die Beträge zwischen 600 und 800 Mark. Das reicht kaum je, um eine vollwertige Ersatzkraft für die Hausfrau und Mutter zu bezahlen. Eva Marie von Münch