Internationale Reaktionen auf Hitler

Von Klaus-Jörg Ruhl

Das Interesse an der Außenpolitik des „Dritten Reiches“ – überhaupt an der außenpolitischen Forschung – ist seit einiger Zeit wieder gewachsen. Als repräsentatives Beispiel für den aktuellen Stand der außenpolitischen Forschung in der Bundesrepublik kann der Sammelband:

Erhard Forndran, Frank Golczewski, Dieter Riesenberger (Hrsg.): „Innen- und Außenpolitik unter nationalsozialistischer Bedrohung. Determinanten internationaler Beziehungen in historischen Fallstudien“; Westdeutscher Verlag, Opladen 1977; 363 S., 49,– DM

angesehen werden, der in methodischer und in sachlicher Hinsicht zu dem Besten gehört, was bisher zu diesem Thema veröffentlicht worden ist.

Im Mittelpunkt der Forschung zur Außenpolitik des „Dritten Reiches“ stehen seit den fünfziger Jahren die Ziele und Methoden einer auf Revision und Expansion ausgerichteten Politik, die in Hitlers „Programm“ des „Alles oder nichts“ ihre auf „Weltherrschaft“ getrimmte taktisch-ideologische Marschrichtung erhielt. Weitgehend ausgeklammert blieb jedoch die Frage, mit welchem Instrumentarium die Groß- und Mittelmächte während der dreißiger Jahre auf innen- und außenpolitischem Gebiet der nationalsozialistischen Bedrohung begegneten. Während im ersten Teil des Sammelbandes Nachwuchshistoriker in Fallstudien dieser Frage nachgehen, überprüft ein Politikwissenschaftler in einem resümierenden, politologisch-theoretischen Schlußteil die „Tragfähigkeit“ der bekanntesten Theorieansätze zur Innen-, Außen- und internationalen Politik.

Die diszipliniert und verständlich geschriebenen Länderbeiträge, die alle relevanten europäischen Staaten sowie Japan und die Vereinigten Staaten berücksichtigen, machen dies deutlich: Während der dreißiger Jahre betrieb nur Deutschland durch den erheblichen außenpolitischen Handlungsspielraum Hitlers eine aktive und zielgerichtete Politik – auch wenn diese nicht linear und rational verlief. Die „bedrohten“ Staaten zeigten je nach Intensität der durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 ausgelösten ökonomischen und sozialen Struktur- und Wirtschaftskrisen unterschiedliche Reaktionen, die jedoch niemals (wenigstens bis 1939) den Grad konsequenter Gegnerschaft gegenüber dem „Dritten Reich“ erreichten, sondern auf Grund der prekären innenpolitischen Situation nur zu einem unkoordinierten System von Abwehrmechanismen führte.